{"id":8308,"date":"2026-01-28T14:09:48","date_gmt":"2026-01-28T14:09:48","guid":{"rendered":"https:\/\/media-law.at\/?p=8308"},"modified":"2026-01-28T14:09:51","modified_gmt":"2026-01-28T14:09:51","slug":"ogh-zu-fifa-ultimate-team-lootboxen-sind-kein-gluecksspiel-nach-dem-gspg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=8308","title":{"rendered":"OGH zu FIFA Ultimate Team: Lootboxen sind kein Gl\u00fccksspiel nach dem GSpG."},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; _builder_version=&#8220;4.27.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.27.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column _builder_version=&#8220;4.27.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; type=&#8220;4_4&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.27.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p>OGH-Entscheidung vom 18.12.2025, 6 Ob 228\/24h<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger kaufte zwischen Oktober 2017 und Oktober 2021 \u00fcber den PlayStation Store um insgesamt 20.748,61 Euro virtuelle W\u00e4hrung namens Points. Vertraglich und technisch ist der Points-Kauf dem PlayStation-\u00d6kosystem zugeordnet; das Spiel selbst samt Serverbetrieb und Spielmodus Ultimate Team wird vom Spieleanbieter betrieben. Der Kl\u00e4ger verwendete seine Points \u00fcberwiegend im Modus Ultimate Team zum Erwerb sogenannter Packs. Diese Packs enthalten virtuelle Fu\u00dfballspieler und weitere digitale Gegenst\u00e4nde. Welche konkreten Inhalte zugeteilt werden, entscheidet ein Algorithmus; vor dem Kauf sind Kategorie und grobe Zusammensetzung ersichtlich, leere Packs gibt es nicht. Points k\u00f6nnen nur gegen Echtgeld erworben werden, Coins hingegen nur spielintern. Die erhaltenen Inhalte sind auf die Nutzung im Spiel beschr\u00e4nkt und k\u00f6nnen lediglich am internen Transfermarkt gegen Coins gehandelt werden. Ein nicht autorisierter Sekund\u00e4rmarkt f\u00fcr Accounts oder Coins gegen Echtgeld existiert zwar, wurde vom Kl\u00e4ger aber nicht genutzt.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger begehrte die R\u00fcckzahlung der f\u00fcr Points aufgewendeten Betr\u00e4ge. Er argumentierte, Points-Kauf und Pack-\u00d6ffnen seien Gl\u00fccksspiel im Sinn des \u00f6sterreichischen Gl\u00fccksspielgesetzes und mangels Konzession rechtswidrig, weshalb die Vertr\u00e4ge nichtig und r\u00fcckabzuwickeln seien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Das Erstgericht gab der Klage weitgehend statt, das Berufungsgericht wies sie zur G\u00e4nze ab.<\/p>\n<p>Der OGH best\u00e4tigte die Klagsabweisung. R\u00fcckforderungsanspr\u00fcche aus verbotenen Gl\u00fccksspielen setzen voraus, dass \u00fcberhaupt ein Gl\u00fccksspiel im Sinn des Gl\u00fccksspielgesetzes vorliegt, also ein Spiel, dessen Spielergebnis ausschlie\u00dflich oder vorwiegend vom Zufall abh\u00e4ngt. Daf\u00fcr ist zun\u00e4chst zu kl\u00e4ren, was das relevante \u201eSpiel\u201c ist. Der OGH verwarf eine isolierte Betrachtung von Points-Kauf und Pack-\u00d6ffnen und stellte auf eine Gesamtbetrachtung des Modus Ultimate Team ab. Der Pack-Erwerb ist in den Spielmodus eingebettet, erfolgt ausschlie\u00dflich im Spieleraccount innerhalb des Spiels, die Points werden dort gutgeschrieben, und der objektive Zweck liegt typischerweise darin, schneller ein konkurrenzf\u00e4higes Team aufzubauen.<\/p>\n<p>In dieser Gesamtbetrachtung ist <strong>das ma\u00dfgebliche Spielergebnis nicht die Qualit\u00e4t des Pack-Inhalts, sondern das sportliche Abschneiden im Online-Spiel<\/strong>. <strong>Zwar wirkt Zufall<\/strong> \u00fcber die Zuteilung einzelner Inhalte aus Packs mit, der <strong>Erfolg h\u00e4ngt nach den Feststellungen aber wesentlich von K\u00f6nnen, Taktik, Spielkenntnis, Teamzusammenstellung und Controller-Geschick<\/strong> ab. Der Spieler kann den Spielverlauf daher trotz Zufallselementen mit geeigneter Wahrscheinlichkeit beeinflussen, sodass <strong>keine vorwiegende Zufallsabh\u00e4ngigkeit des Spielerergebnisses<\/strong> vorliegt. Weil damit <strong>kein Gl\u00fccksspiel im Sinn des Gl\u00fccksspielgesetzes<\/strong> gegeben ist, scheitert der R\u00fcckforderungsanspruch; weitere Fragen wie \u201eAusspielung\u201c oder Ausnahmen mussten nicht mehr gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzliche Argumente des Kl\u00e4gers aus dem Wettbewerbsrecht scheiterten an fehlender Darlegung von Schaden und Kausalit\u00e4t; blo\u00dfe Wettbewerbsverst\u00f6\u00dfe f\u00fchren zudem nicht automatisch zur Nichtigkeit von Vertr\u00e4gen. Wucher verneinte der OGH mangels ausreichenden Vorbringens zu den erforderlichen pers\u00f6nlichen Voraussetzungen auf Seiten des Kl\u00e4gers.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/Dokumente\/Justiz\/JJT_20251218_OGH0002_0060OB00228_24H0000_000\/JJT_20251218_OGH0002_0060OB00228_24H0000_000.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link zur Entscheidung<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema Gl\u00fcckspiel<\/strong><strong>:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=5736\">Gl\u00fcckspielkonzern hat \u201eDeal\u201c mit Regierungspartei? \u201ePublic Figures\u201c m\u00fcssen h\u00f6heren Grad an Toleranz gegen\u00fcber kritischer Berichterstattung zeigen.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=6975\">Sportwettenanbieter und Gl\u00fccksspielanbieter betreiben gemeinsam Website: Zug\u00e4nglichmachen f\u00fchrt zu deliktischer Haftung.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=4415\">Vertrag mit konzessionslosem Online-Casino nichtig: R\u00fcckzahlung von Spielverlusten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=4841\">Blo\u00dfes unsubstantiiertes Bestreiten ist ausnahmsweise als Gest\u00e4ndnis anzusehen<\/a><\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 18.12.2025, 6 Ob 228\/24h &nbsp; Sachverhalt: Der Kl\u00e4ger kaufte zwischen Oktober 2017 und Oktober 2021 \u00fcber den PlayStation Store um insgesamt 20.748,61 Euro virtuelle W\u00e4hrung namens Points. 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