{"id":6549,"date":"2024-03-05T09:30:38","date_gmt":"2024-03-05T09:30:38","guid":{"rendered":"https:\/\/media-law.at\/?p=6549"},"modified":"2024-03-05T09:30:42","modified_gmt":"2024-03-05T09:30:42","slug":"berichterstattung-ueber-tagesereignisse-medienunternehmen-darf-fotos-von-social-media-nutzern-nicht-zustimmungslos-verwenden-keine-freie-werknutzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=6549","title":{"rendered":"Berichterstattung \u00fcber Tagesereignisse: Medienunternehmen darf Fotos von Social Media-Nutzern nicht zustimmungslos verwenden. Keine freie Werknutzung."},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; type=&#8220;4_4&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p>OGH-Entscheidung vom 25.1.2024, 4 Ob 120\/23k<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger besuchte gerade einen Vergn\u00fcgungspark, als es dort zu einem Stromausfall kam. Dabei beobachtete er, wie mehrere Personen aus diversen Fahrgesch\u00e4ften befreit wurden. Er machte davon einige Fotos mit seinem Handy und ver\u00f6ffentlichte sie auf seinem Twitter-Account.<\/p>\n<p>Ein Mitarbeiter des beklagten \u00f6sterreichischen Rundfunks ersuchte den Kl\u00e4ger um Erlaubnis, die Bilder f\u00fcr einen Bericht \u00fcber den Stromausfall in einer Nachrichtensendung verwenden zu d\u00fcrfen. Der Kl\u00e4ger erteilte die Erlaubnis nicht. Der Beklagte sendete die Bilder dennoch und stellte seine Nachrichtensendung auch zum Abruf auf seiner Website bereit.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger begehrte Unterlassung, Urteilsver\u00f6ffentlichung und EUR 4.000\u00a0als angemessenes Entgelt nach \u00a7\u00a086 UrhG.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorinstanzen gaben der Klage statt. Der Beklagte k\u00f6nne sich <strong>nicht auf ein freies Werknutzungsrecht nach \u00a7\u00a042c UrhG<\/strong> berufen, weil die <strong>Fotos des Kl\u00e4gers nicht bei der Berichterstattung \u00fcber ein Tagesereignis wahrnehmbar <\/strong>geworden seien. Au\u00dferdem fehle es am Informationszweck, weil ein Bericht \u00fcber den Stromausfall im Bezirk auch ohne die Lichtbilder des Kl\u00e4gers m\u00f6glich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Der OGH wies die au\u00dferordentliche Revision des Beklagten zur\u00fcck. Gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a042c UrhG d\u00fcrfen zur <strong>Berichterstattung \u00fcber Tagesereignisse<\/strong> Werke, die bei Vorg\u00e4ngen, \u00fcber die berichtet wird, \u00f6ffentlich wahrnehmbar werden, in einem durch den <strong>Informationszweck gerechtfertigten Umfang<\/strong> vervielf\u00e4ltigt, verbreitet, durch Rundfunk gesendet, der \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung gestellt und zu \u00f6ffentlichen Vortr\u00e4gen, Auff\u00fchrungen und Vorf\u00fchrungen benutzt werden.<\/p>\n<p>Der Beklagte argumentierte, dass die Richtlinie\u00a02001\/29\/EG (InfoRL) die Nutzung von Werken oder sonstigen Schutzgegenst\u00e4nden bereits in Verbindung mit der Berichterstattung \u00fcber Tagesereignisse gestatte. Eine <strong>Wahrnehmbarkeit bei der Berichterstattung wie nach \u00a7\u00a042c UrhG sei nach dem Unionsrecht kein Erfordernis<\/strong>, die \u00f6sterreichische Judikatur sei deshalb durch die neuere Rechtsprechung des EuGH \u00fcberholt. Der BGH habe seine Linie zum vergleichbaren \u00a7\u00a050 dUrhG bereits ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Der OGH stimmte dem Beklagten zwar dahingehend zu, dass die Mitgliedstaaten gem\u00e4\u00df Art\u00a05 Abs\u00a03 lit\u00a0c zweiter Fall der InfoRL die Nutzung von Werken \u201ein Verbindung mit der Berichterstattung \u00fcber Tagesereignisse\u201c vorsehen k\u00f6nnen, soweit es der Informationszweck rechtfertigt und sofern nach M\u00f6glichkeit der Umst\u00e4nde die Quelle, einschlie\u00dflich des Namens des Urhebers angegeben wird. Diese Bestimmung der <strong>Richtlinie f\u00fchrt aber eindeutig keine Vollharmonisierung<\/strong> durch. Daher <strong>spricht ihr Wortlaut auch nicht gegen die vom \u00f6sterreichischen Gesetzgeber geforderte Art der Verbindung<\/strong>, die \u00fcberdies in Einklang mit <span aria-hidden=\"true\">Art\u00a010<\/span>bis Abs\u00a02 der Berner \u00dcbereinkunft (Pariser Fassung) zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst steht.<\/p>\n<p>Die <strong>nationale Regelung in Deutschland ist deutlich weiter als in \u00d6sterreich<\/strong>, weil das freie Werknutzungsrecht nach \u00a7\u00a042c UrhG nur f\u00fcr Werke gilt, die bei Vorg\u00e4ngen, \u00fcber die berichtet wird, \u00f6ffentlich wahrnehmbar werden. Die deutsche Norm hingegen l\u00e4sst zur Berichterstattung \u00fcber Tagesereignisse die Vervielf\u00e4ltigung, Verbreitung und \u00f6ffentliche Wiedergabe von Werken, die im Verlauf dieser Ereignisse wahrnehmbar werden, in einem durch den Zweck gebotenen Umfang zu.<\/p>\n<p>Der OGH folgte daher seiner bisherigen Rechtsprechung und wollte aus dieser Norm <strong>keine allgemeine Rechtfertigung f\u00fcr die Verwertung von Lichtbildern<\/strong> ableiten, die (selbst) Tagesereignisse zeigen oder damit in Zusammenhang stehen (<a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=2981\">so der OGH in <strong>DIESER<\/strong> Entscheidung zur Zul\u00e4ssigkeit eines aufkl\u00e4renden Bildzitats<\/a>).<\/p>\n<p>Au\u00dferdem hatten die Sachverhalte der Ausgangsverfahren beim BGH keine \u00c4hnlichkeit mit der hier vorliegenden Sachverhaltskonstellation. Beim BGH waren die urheberrechtlich gesch\u00fctzten Werke selbst das Thema der Berichterstattung und damit das Tagesereignis iSd \u00a7\u00a050 dUrhG.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/Dokumente\/Justiz\/JJT_20240125_OGH0002_0040OB00120_23K0000_000\/JJT_20240125_OGH0002_0040OB00120_23K0000_000.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link zur Entscheidung<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema Urheberrechtsverletzung durch Verwendung von Fotos:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=2981\">Aufkl\u00e4rendes Bildzitat bei legitimer Kritik an Berichterstattung eines Mediums zul\u00e4ssig<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=5242\">Aufruf zu Gegendemonstration: Verwendung eines Politikerfotos als \u201eBildzitat\u201c gerechtfertigt.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3929\">\u201eStinkefinger-Foto\u201c: FP\u00d6 verletzt Werknutzungsrecht von Sigrid Maurer. Kein Bildzitat mangels Auseinandersetzung mit \u00fcbernommenem Foto.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3398\">Naturmotiv statt Raucherfoto: Wenn Politiker zur Optimierung ihrer medialen Darstellung Hintergrundbilder retuschieren, ist die Ver\u00f6ffentlichung dieser Fotos als Bildzitat zul\u00e4ssig.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=2245\">Urheberrechtsverletzung durch Einblendung eines Fotos in TV-Doku: Neue OGH-Judikatur zum \u201eBildzitat\u201c und \u201eunwesentlichen Beiwerk\u201c<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=5772\">Parlamentsklub haftet f\u00fcr Urheberrechtsverletzung des Fraktionsf\u00fchrers. Recht auf freie Werknutzung umfasst keine Pressekonferenz einer politischen Partei.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=4826\">krone.at verwendet Ausschnitte von \u201eFP\u00d6 TV\u201c: Urheberrechtsverletzung aufgrund undeutlicher Herstellerbezeichnung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=4198\">Schl\u00fcssige Einr\u00e4umung von Werknutzungsrechten und Verzicht auf Urheberbezeichnung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=6084\">Suchmeldung von Kulturgut in Lost Art-Datenbank: BGH verneint Eigentumsbeeintr\u00e4chtigung.<\/a><\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 25.1.2024, 4 Ob 120\/23k &nbsp; Sachverhalt: Der Kl\u00e4ger besuchte gerade einen Vergn\u00fcgungspark, als es dort zu einem Stromausfall kam. Dabei beobachtete er, wie mehrere Personen aus diversen Fahrgesch\u00e4ften befreit wurden. 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