{"id":6048,"date":"2023-07-06T08:48:32","date_gmt":"2023-07-06T08:48:32","guid":{"rendered":"https:\/\/media-law.at\/?p=6048"},"modified":"2023-07-06T08:56:40","modified_gmt":"2023-07-06T08:56:40","slug":"darf-die-veroeffentlichung-einer-mitteilung-ueber-ein-eingeleitetes-medienrechtliches-verfahren-anonymisiert-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=6048","title":{"rendered":"Darf die Ver\u00f6ffentlichung einer Mitteilung \u00fcber ein eingeleitetes Verfahren aufgrund eines Medieninhaltsdelikts anonymisiert sein?"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; type=&#8220;4_4&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.18.0&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p>OGH-Entscheidung vom 19.4.2023, 15 Os 25\/23z<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Ein Mann erhob Privatanklage (wegen Beleidigung iSd \u00a7\u00a0115 Abs\u00a01 StGB) gegen eine Frau, weil diese ihn \u00f6ffentlich auf Facebook beschimpft hatte. Auf der Facebook-Seite eines anderen Medieninhabers war ein Foto des Privatankl\u00e4gers samt Textnachricht ver\u00f6ffentlicht. Die Frau schrieb als Reaktion auf diesen Beitrag den Kommentar \u201e<em>F\u00fcr mich sind solche sogenannten &#8218;Polizisten&#8216; die gr\u00f6\u00dften Feiglinge der Nation, die sich nur an alte Menschen vergreifen und Kinder<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Der Privatankl\u00e4ger beantragte gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a037 Abs\u00a01 MedienG die Anordnung der Ver\u00f6ffentlichung einer kurzen Mitteilung \u00fcber das eingeleitete Verfahren, wobei er \u2013 zum Schutz seiner Identit\u00e4t \u2013 anregte, seinen Namen und seine Adresse nicht in die Ver\u00f6ffentlichung aufzunehmen.<\/p>\n<p>Mit Gerichtsbeschluss wurde dem Medieninhaber aufgetragen, nachstehende Mitteilung zu ver\u00f6ffentlichen:<\/p>\n<p><span aria-hidden=\"true\">\u201e<em>Mitteilung gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a037 Abs\u00a01 MedienG:<\/em><\/span><\/p>\n<p><span aria-hidden=\"true\"><em>Jener Polizist, dessen Bild im nachstehenden genannten Beitrag ver\u00f6ffentlicht wurde, begehrt als Privatankl\u00e4ger und Antragsteller die Bestrafung der [Kommentarverfasserin] wegen \u00a7\u00a0115 StGB [\u2026] weil diese [\u2026] einen Kommentar ver\u00f6ffentlicht habe mit dem Wortlaut [\u2026]. Der Privatankl\u00e4ger und Antragsteller erblickt in dieser \u00c4u\u00dferung die Verwirklichung des Tatbestandes der Beleidigung nach \u00a7\u00a0115 Abs\u00a01 StGB. Das medienrechtliche Verfahren ist anh\u00e4ngig<\/em>.\u201c<\/span><\/p>\n<p>Dieser Beschluss erwuchs unangefochten in Rechtskraft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Die Generalprokuratur erhob gegen den Gerichtsbeschluss <strong>Nichtigkeitsbeschwerde<\/strong> <strong>zur Wahrung des Gesetzes<\/strong>. Der OGH gab dieser statt. Der <strong>Gerichtsbeschluss verletzt \u00a7\u00a037 Abs\u00a01 MedienG<\/strong>.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a037 Abs\u00a01 MedienG ist auf Antrag des Ankl\u00e4gers oder des Antragstellers in einem selbst\u00e4ndigen Verfahren mit Beschluss die <strong>Ver\u00f6ffentlichung einer kurzen Mitteilung \u00fcber das eingeleitete Verfahren<\/strong> anzuordnen, wenn anzunehmen ist, dass der objektive Tatbestand eines Medieninhaltsdelikts hergestellt worden ist. Die Ver\u00f6ffentlichung kann auch eine Sachverhaltsdarstellung umfassen, soweit diese zur Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit erforderlich ist. Der Antrag richtet sich immer gegen den Medieninhaber (auch wenn das Strafverfahren gegen einen Dritten gef\u00fchrt wird). Diese Bestimmung soll dem <strong>Bed\u00fcrfnis des Betroffenen Rechnung tragen<\/strong>, nicht bis zum rechtskr\u00e4ftigen Abschluss des Verfahrens warten zu m\u00fcssen, um die <strong>Medien\u00f6ffentlichkeit zu informieren<\/strong>, und er nicht gewillt ist, diese Ver\u00f6ffentlichung hinzunehmen.<\/p>\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung einer den Namen des Privatankl\u00e4gers oder Antragstellers nicht nennenden, diesen vielmehr <strong>anonymisierenden Mitteilung \u00fcber das eingeleitete Verfahren widerspricht aber dem Telos des \u00a7\u00a037 Abs\u00a01 MedienG<\/strong>. Die Nennung des Namens desjenigen, der die Mitteilung begehrt, ist daher <strong>inhaltliche Voraussetzung<\/strong> f\u00fcr eine Anordnung nach \u00a7\u00a037 Abs\u00a01 MedienG.<\/p>\n<p>Die urspr\u00fcnglich vorgesehene M\u00f6glichkeit, eine solche Mitteilung auch in einem wegen <span aria-hidden=\"true\">\u00a7\u00a07a MedienG (Schutz vor Bekanntgabe der Identit\u00e4t in besonderen F\u00e4llen) angestrengten Entsch\u00e4digungsverfahren zu beantragen, wurde sp\u00e4ter wieder beseitigt. Denn eine solche Mitteilung in einem wegen \u00a7\u00a07a MedienG angestrengten Verfahren sei nicht gerechtfertigt, weil von einer solchen Mitteilung keinerlei \u201eReparaturwirkung\u201c zu erwarten ist. Dies sei vielmehr kontraproduktiv sei, weil aufgrund der namentlichen Nennung des Betroffenen die Identit\u00e4t des Betroffenen nur noch weiteren Personen bekannt gemacht werde.<\/span><\/p>\n<p>Dieser Beschluss wurde folglich vom OGH aufgehoben und es dem Landesgericht die neuerliche Entscheidung \u00fcber den Antrag auf Ver\u00f6ffentlichung einer Mitteilung gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a037 Abs\u00a01 MedienG aufgetragen. Das nun neuerlich befasste Gericht ist <strong>nicht<\/strong> an den Formulierungsvorschlag des Antragstellers gebunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/Dokumente\/Justiz\/JJT_20230419_OGH0002_0150OS00025_23Z0000_000\/JJT_20230419_OGH0002_0150OS00025_23Z0000_000.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link zum Entscheidungstext<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema Medienrecht:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=5343\">Betreiber eines Nachtlokals ist \u201eDrogendealer\u201c? OGH sieht zul\u00e4ssige wertende \u00c4u\u00dferung.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=5077\">Frau berichtet \u00fcber eigene Vergewaltigung auf Facebook. Vorverurteilung oder Meinungs\u00e4u\u00dferungsfreiheit?<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=4047\">Betrugsvorwurf: Im Rahmen politischer Auseinandersetzung gen\u00fcgt ein \u201ed\u00fcnnes Tatsachensubstrat\u201c<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=5987\">Google-Bewertungen: Rein subjektive Werturteile grunds\u00e4tzlich zul\u00e4ssig. Schutz der Pers\u00f6nlichkeitsrechte darf nicht \u00fcberspannt werden.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=5736\">Gl\u00fcckspielkonzern hat \u201eDeal\u201c mit Regierungspartei? \u201ePublic Figures\u201c m\u00fcssen h\u00f6heren Grad an Toleranz gegen\u00fcber kritischer Berichterstattung zeigen.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=5660\">Absprachen vor Untersuchungsausschuss: Medien d\u00fcrfen als \u201epublic watchdog\u201c dar\u00fcber berichten.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=5514\">Recht auf L\u00f6schung aus Suchmaschinen (\u201eRecht auf Vergessenwerden\u201c): Google muss nachweislich unrichtige Informationen auch ohne Gerichtsurteil l\u00f6schen.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=5365\">\u201eWahlleiter m\u00fcssen weiter zittern\u201c: Unwahre Berichterstattung ist nicht unbedingt kreditsch\u00e4digend<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3936\">Foto eines Justizwachebeamten bei Amtshandlung: Recht am eigenen Bild verletzt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3752\">OGH nach EuGH im Fall Glawischnig vs. Facebook: Pflicht zur weltweiten L\u00f6schung von wortgleichen und sinngleichen Postings<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3622\">Haftungsbefreiendes Zitat im Medienrecht: Interesse der \u00d6ffentlichkeit muss sich auf Zitat selbst beziehen, nicht auf das berichtete Thema<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3326\">\u201eWo L\u00fcgen zu Nachrichten werden\u2026\u201c Facebook ist zur L\u00f6schung rechtswidriger Postings verpflichtet. Der OGH erkl\u00e4rt wann und wo.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=2888\">\u201e\u00dcbelster Kolumnisten-Schuft\u201c mit \u201edreckigen Fantasien\u201c, stockbesoffener \u201ePromille-Schreiber\u201c\u2026 Wo liegen die Grenzen zul\u00e4ssiger Kritik?<\/a><\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 19.4.2023, 15 Os 25\/23z \u00a0 Sachverhalt: Ein Mann erhob Privatanklage (wegen Beleidigung iSd \u00a7\u00a0115 Abs\u00a01 StGB) gegen eine Frau, weil diese ihn \u00f6ffentlich auf Facebook beschimpft hatte. Auf der Facebook-Seite eines anderen Medieninhabers war ein Foto des Privatankl\u00e4gers samt Textnachricht ver\u00f6ffentlicht. 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