{"id":5210,"date":"2022-06-03T10:37:42","date_gmt":"2022-06-03T10:37:42","guid":{"rendered":"https:\/\/media-law.at\/?p=5210"},"modified":"2022-06-03T12:40:16","modified_gmt":"2022-06-03T12:40:16","slug":"reichweitenwerbung-27-sind-ein-drittel-irrefuehrung-durch-blickfang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=5210","title":{"rendered":"Reichweitenwerbung: 27% sind ein Drittel? Irref\u00fchrung durch Blickfang."},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; _builder_version=&#8220;4.13.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.13.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column _builder_version=&#8220;4.13.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; type=&#8220;4_4&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.13.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p>OGH-Entscheidung vom 22.4.2022, 4 Ob 61\/22g<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Die Streitparteien sind Medieninhaberinnen von Websites, die redaktionelle Inhalte und Anzeigen ver\u00f6ffentlichen. Die Beklagte ver\u00f6ffentlichte einen Beitrag mit der \u00dcberschrift:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><strong>\u201eGROSSER ERFOLG: [Die Website der Beklagten] erreicht fast jeden dritten \u00d6sterreicher\u201c<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Das deutlich kleinere Balkendiagramm darunter zeigte, dass die online Reichweite tats\u00e4chlich nur 27\u00a0% betr\u00e4gt, also gut jeden vierten \u00d6sterreicher erreicht.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin beantragte die Erlassung einer einstweiligen Verf\u00fcgung und klagte u.a. auf Unterlassung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Die\u00a0<span style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Vorinstanzen\u00a0erlie\u00dfen die einstweilige Verf\u00fcgung. Die <strong>Differenz zwischen 27\u00a0% und einem Drittel der Bev\u00f6lkerung betrage \u00fcber 6\u00a0Prozentpunkte<\/strong> bzw mehr als 500.000\u00a0Personen. Die <strong>Irref\u00fchrung durch den Blickfang<\/strong> werde nicht durch den unauff\u00e4lligeren Rest des Beitrags beseitigt.<\/span><\/p>\n<p>Der OGH befand den Revisionsrekurs der Beklagten f\u00fcr unzul\u00e4ssig. Die Rechtsprechung unterscheide <strong>objektiv nachpr\u00fcfbare Tatsachenbehauptungen<\/strong> einerseits und Werturteile als rein subjektive, un\u00fcberpr\u00fcfbare Meinungs\u00e4u\u00dferungen andererseits. Da die <strong>Mathematik<\/strong> sowohl f\u00fcr die Umrechnung von Prozentangaben in Br\u00fcche als auch f\u00fcr Rundungen klare Regeln vorgibt, k\u00f6nne die Behauptung, dass bei einer Reichweite von 27\u00a0% jeder dritte \u00d6sterreicher erreicht werde, objektiv \u00fcberpr\u00fcft werden. Unwahre Tatsachenbehauptungen seien auch nicht vom Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung gedeckt.<\/p>\n<p>Der Bedeutungsinhalt von \u00c4u\u00dferungen richtet sich nach dem Gesamtzusammenhang und dem dadurch vermittelten Gesamteindruck, den ein redlicher Mitteilungsempf\u00e4nger gewinnt. Auch <strong>blickfangartig herausgestellte Teile der Ank\u00fcndigung d\u00fcrfen f\u00fcr sich allein nicht irref\u00fchrend<\/strong> im Sinne des \u00a7\u00a02 UWG sein. Ist dieser Teil irref\u00fchrend, dann liegt ein Versto\u00df gegen \u00a7\u00a02 UWG vor. Auch der OGH bejahte daher die Irref\u00fchrungseignung der \u2013 hier zu beurteilenden &#8211; blickfangartigen \u00dcberschrift.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/Dokumente\/Justiz\/JJT_20220422_OGH0002_0040OB00061_22G0000_000\/JJT_20220422_OGH0002_0040OB00061_22G0000_000.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link zur OGH-Entscheidung<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema Irref\u00fchrung und Reichweitenwerbung:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3481\">Werbung mit Reichweitenvergleich: Nur tats\u00e4chlich auf dem Markt existierende Produkte m\u00fcssen miteinbezogen werden<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3421\">Werbung mit Reichweitenangaben darf nicht irref\u00fchrend sein. Strenger Ma\u00dfstab gilt auch bei Werbung an Fachkreise.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=2503\">Die Reichweitenuntersuchungen der Media-Analyse sind nicht irref\u00fchrend<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=4507\">\u201eDie derzeit erfolgreichste Talk Show im TV\u201c ist keine ernst zu nehmende Spitzenstellungsbehauptung<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3493\">Irref\u00fchrende Werbung mit Daten der Media-Analyse: Nur Vergleichbares darf in Beziehung gesetzt werden<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=2839\">Irref\u00fchrende Werbung einer Tageszeitung mit Auflagezahlen (Spitzenstellungsbehauptung)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=1828\">Irref\u00fchrende Werbung mit Auflagenzahlen<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=296\">Ank\u00fcndigung \u201eDie Lieblingszeitung der Salzburger\u201c nicht irref\u00fchrend bei Anf\u00fchrung der richtigen und h\u00f6chsten Verkaufszahlen<\/a><\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 22.4.2022, 4 Ob 61\/22g \u00a0 Sachverhalt: Die Streitparteien sind Medieninhaberinnen von Websites, die redaktionelle Inhalte und Anzeigen ver\u00f6ffentlichen. 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