{"id":5065,"date":"2022-04-04T12:09:50","date_gmt":"2022-04-04T12:09:50","guid":{"rendered":"https:\/\/media-law.at\/?p=5065"},"modified":"2022-04-04T12:15:57","modified_gmt":"2022-04-04T12:15:57","slug":"tschingin-kann-eine-wortneubildung-durch-verballhornung-als-marke-schutzfaehig-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=5065","title":{"rendered":"TSCHIN=GIN? Kann eine Wortneubildung durch Verballhornung als Marke schutzf\u00e4hig sein?"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; _builder_version=&#8220;4.13.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.13.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_column _builder_version=&#8220;4.13.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; type=&#8220;4_4&#8243; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.13.1&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; theme_builder_area=&#8220;post_content&#8220; hover_enabled=&#8220;0&#8243; sticky_enabled=&#8220;0&#8243;]<p>Beschluss des OLG Wien vom 10.1.2022, 33 R 126\/21y<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Die\u00a0Antragstellerin\u00a0beantragte die Eintragung der Wortmarke \u201e<em>TSCHIN<\/em>\u201c f\u00fcr Biere, verschiedene alkoholfreie Getr\u00e4nke sowie verschiedene alkoholische Getr\u00e4nke.<\/p>\n<p>Das\u00a0Patentamt\u00a0wies den Antrag ab. Die beteiligten Verkehrskreise w\u00fcrden das Zeichen nur als Hinweis darauf sehen, dass es sich bei den damit bezeichneten Waren um Gin und \u201everwandte\u201c Produkte (also mit Gin versetzte oder daf\u00fcr einsetzbare Substanzen) handle. Der Bedeutungsgehalt des Worts \u201eTschin\u201c erschlie\u00dfe sich jedenfalls nach kurzer Betrachtung (oder gedanklicher Aussprache des Zeichens). F\u00fcr Waren, die keinen Gin enthalten, sei das Zeichen wegen T\u00e4uschungseignung von der Registrierung ausgeschlossen. Davon abgesehen sei es nicht geeignet, als individualisierender Unternehmenshinweis zu dienen, sodass ihm die Unterscheidungskraft fehle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Das OLG Wien gab dem Rekurs der Antragstellerin nicht Folge. \u201eGin\u201c ist allgemein als Bezeichnung f\u00fcr eine Spirituose mit Wacholder bekannt. \u201eTschin\u201c ist zwar kein Wort der deutschen Sprache und unterscheidet sich optisch klar von \u201eGin\u201c, ist aber <strong>ohne gedankliche Operation als Verballhornung<\/strong> (konkret: als Eindeutschung) von \u201eGin\u201c erkennbar.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a04 Abs\u00a01 Z\u00a03 MSchG sind solche Zeichen von der Registrierung ausgeschlossen, die <strong>keine Unterscheidungskraft <\/strong>haben. Eine Marke ist unterscheidungskr\u00e4ftig, wenn sie geeignet ist, die Waren oder Dienstleistungen, f\u00fcr die die Eintragung beantragt wird, als <strong>von einem bestimmten Unternehmen stammend zu kennzeichnen <\/strong>und sie damit von denjenigen anderer Unternehmen zu unterscheiden. Ma\u00dfgeblich ist die Auffassung der beteiligten Verkehrskreise im Inland. Bei Wortmarken bejaht die Rechtsprechung die Unterscheidungskraft nur bei frei erfundenen, keiner Sprache angeh\u00f6renden Phantasiew\u00f6rtern oder bei Zeichen, die zwar dem allgemeinen Sprachgebrauch angeh\u00f6ren, jedoch mit den Waren oder Dienstleistungen, f\u00fcr die sie bestimmt sind, in keinem Zusammenhang stehen. <strong>Beschr\u00e4nkt sich die Neubildung auf eine Verballhornung, Falschschreibung oder sonstige Abwandlung eines nicht unterscheidungskr\u00e4ftigen Worts<\/strong>, und ist die Abwandlung ohne Weiteres, also zweifelsfrei und ohne gedankliche Operation, als solche erkennbar, so ist <strong>auch die Abwandlung nicht unterscheidungskr\u00e4ftig<\/strong>.<\/p>\n<p>Nach \u00a7\u00a04 Abs\u00a01 Z\u00a08 MSchG sind au\u00dferdem solche Zeichen von der Registrierung ausgeschlossen, die geeignet sind, das Publikum zum Beispiel \u00fcber die Art, die Beschaffenheit oder die geografische Herkunft der Ware oder Dienstleistung zu <strong>t\u00e4uschen<\/strong>.<span style=\"font-style: inherit;\"> F\u00fcr die alkoholfreien Getr\u00e4nke und Biere bestehe die Gefahr der Irref\u00fchrung zumindest eines Teils des Publikums. F\u00fcr die alkoholischen Getr\u00e4nke, die Gin enthalten, ist \u201eGin\u201c von vornherein kein Phantasiewort, weder im engeren noch im weiteren Sinn, sodass es auch seiner Verballhornung (Eindeutschung) \u201eTschin\u201c an der Unterscheidungskraft fehlt.<\/span><\/p>\n<p>Auch, dass DPMA und EUIPO <strong>bereits zuvor \u201e<em>TSCHIN<\/em>\u201c als nationale deutsche Marke bzw. Unionsmarke registrierten<\/strong>, konnte das OLG Wien nicht umstimmen, da Markeneintragungen grunds\u00e4tzlich <strong>keine pr\u00e4judizielle Wirkung<\/strong> f\u00fcr andere Verfahren entfalten.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: inherit;\">Zusammengefasst best\u00e4tigte das OLG daher die Entscheidung des Patentamtes, lies den Weg zum OGH per ordentlichem Revisionsrekurs jedoch zu.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/Dokumente\/Justiz\/JJT_20220110_OLG0009_03300R00126_21Y0000_000\/JJT_20220110_OLG0009_03300R00126_21Y0000_000.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Link zum Entscheidungstext<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Blog-Beitr\u00e4ge zum Thema Unterscheidungskraft im Markenrecht:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=4738\">Fehlt der Marke \u201eMyFlat\u201c die Unterscheidungskraft? Konkret angemeldete Waren und Dienstleistungen sind zu beurteilen.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3678\">EuGH zur Unterscheidungskraft dreidimensionaler Marken auf \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3098\">OLG Wien zur Unterscheidungskraft der Marke \u201eREFURBED\u201c: Phantasiebezeichnungen k\u00f6nnen an existierende W\u00f6rter angelehnt sein<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=2811\">Unterscheidungskraft eines Wortes reicht f\u00fcr urheberrechtlichen Schutz als Sprachwerk nicht aus<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=1746\">EuGH zur fehlenden Unterscheidungskraft einer dreidimensionalen Marke (Flaschendesign)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=1289\">EuGH zu Farbmarken (\u201eSparkassen-Rot\u201c) \u2013 Unterscheidungskraft infolge Benutzung \/ ma\u00dfgeblicher Zeitpunkt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=1235\">OGH\/Markenrecht: \u201eSELECTIVE\/LINE\u201c (Wort-Bild) \u2013 fehlende Unterscheidungskraft<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=1103\">Marke aus Wortneubildung in Fremdsprache: Unterscheidungskraft fehlt wenn Bezug zu Beschaffenheit (EXPRESSGLASS)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=4693\">EuG\/Markenrecht: Bekanntheit eines Fu\u00dfballvereins bei Beurteilung von Verwechslungsgefahr nicht relevant (AC Milan)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=4558\">BGH: Goldton des \u201eLindt-Goldhasen\u201c genie\u00dft Markenschutz<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=4485\">Zischen und Prickeln beim \u00d6ffnen einer Getr\u00e4nkedose: Eintragung als H\u00f6rmarke (Klangmarke)?<\/a><\/p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschluss des OLG Wien vom 10.1.2022, 33 R 126\/21y \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sachverhalt: Die\u00a0Antragstellerin\u00a0beantragte die Eintragung der Wortmarke \u201eTSCHIN\u201c f\u00fcr Biere, verschiedene alkoholfreie Getr\u00e4nke sowie verschiedene alkoholische Getr\u00e4nke. 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