{"id":496,"date":"2014-01-22T13:20:08","date_gmt":"2014-01-22T13:20:08","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=496"},"modified":"2014-01-22T13:20:36","modified_gmt":"2014-01-22T13:20:36","slug":"auslaendische-prozesspartei-%c2%a7-98-zpo-unionsrechtswidrig-zustellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=496","title":{"rendered":"Ausl\u00e4ndische Prozesspartei: \u00a7 98 ZPO unionsrechtswidrig (Zustellung)"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<div>OGH-Entscheidung vom 27.11.2013, 2 Ob 156\/13z<\/div>\n<div>.<\/div>\n<div>Gegen eine <strong>GmbH mit Sitz in Deutschland<\/strong> wurde beim Bezirksgericht f\u00fcr Handelssachen Wien eine <strong>Mahnklage<\/strong> eingebracht. Gegen den daraufhin erlassenen <strong>Europ\u00e4ischen Zahlungsbefehl<\/strong> erhob die beklagte\u00a0GmbH (ohne anwaltliche Vertretung)\u00a0einen rechtzeitigen <strong>Einspruch<\/strong> . Das Bezirksgericht trug der Beklagten daraufhin auf, einen<strong> in \u00d6sterreich wohnhaften Zustellbevollm\u00e4chtigten<\/strong> namhaft zu machen. In diesem Beschluss verwies das Gericht auf die in <strong>\u00a7 98 ZPO<\/strong> f\u00fcr den Fall der <strong>Nichtbeachtung<\/strong> dieses Auftrags gekn\u00fcpften Rechtsfolgen.\u00a0Demnach w\u00fcrden\u00a0weitere Zustellungen durch \u00dcbersendung des jeweiligen Schriftst\u00fccks <strong>ohne Zustellnachweis<\/strong> erfolgen, bis ein geeigneter Zustellbevollm\u00e4chtigter dem Gericht namhaft gemacht oder dem Gericht eine Abgabestelle im Inland bekannt gegeben werde. Das Schriftst\u00fcck gelte <strong>14 Tage nach Aufgabe zur Post als zugestellt<\/strong>.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Die nunmehr durch einen \u00f6sterreichischen Rechtsanwalt vertretene Beklagte erhob gegen diesen Beschluss <strong>Rekurs<\/strong>. Die Beklagte brachte darin vor, dass sie sich ua wegen des anzuwendenden deutschen Rechts von einem in Deutschland ans\u00e4ssigen Rechtsanwalt vertreten lassen wolle. Wegen der <strong>anzuwendenden Europ\u00e4ischen Zustellverordnung (EuZVO)<\/strong> sei \u00a7 98 ZPO wegen unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger und damit ungerechtfertigter, mittelbarer Diskriminierung <strong>unionsrechtswidrig<\/strong>.<\/div>\n<div>\n<p>Das Rekursgericht wies den Rekurs mit der Begr\u00fcndung\u00a0zur\u00fcck, die nunmehr ohnehin durch einen \u00f6sterreichischen Rechtsanwalt vertretene Beklagte sei durch den Auftrag des Erstgerichts nicht beschwert.<\/p>\n<p>Der <strong>OGH<\/strong> hob die Entscheidungen der Vorinstanzen auf und sprach aus, dass die <strong>EuZVO im vorliegenden Fall anwendbar<\/strong> ist.\u00a0\u00a7 98 ZPO widerspricht wegen der darin angeordneten Zustellung ohne Zustellnachweis und der Fiktion der Zustellung Art 14 EuZVO. Diese Bestimmung schreibt n\u00e4mlich f\u00fcr Zustellungen nach der EuZVO ein Einschreiben mit R\u00fcckschein oder einen gleichwertigen Beleg vor. \u00a7 98 ZPO ist daher <strong>unionsrechtswidrig<\/strong>. Wegen des <strong>Anwendungsvorrangs<\/strong> <strong>des Unionsrechts<\/strong> vor nationalem Recht ist weder die Rechtsmittelbeschr\u00e4nkung des \u00a7 87 Abs 2 ZPO noch die vom Rekursgericht herangezogene \u00f6sterreichische Rechtsprechung zur fehlenden Beschwer anzuwenden.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 27.11.2013, 2 Ob 156\/13z . Gegen eine GmbH mit Sitz in Deutschland wurde beim Bezirksgericht f\u00fcr Handelssachen Wien eine Mahnklage eingebracht. Gegen den daraufhin erlassenen Europ\u00e4ischen Zahlungsbefehl erhob die beklagte\u00a0GmbH (ohne anwaltliche Vertretung)\u00a0einen rechtzeitigen Einspruch . 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