{"id":4205,"date":"2021-05-18T13:34:04","date_gmt":"2021-05-18T13:34:04","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=4205"},"modified":"2021-05-18T13:37:54","modified_gmt":"2021-05-18T13:37:54","slug":"bgh-darstellung-einer-realen-person-durch-einen-schauspieler-ist-kein-bildnis-der-dargestellten-person","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=4205","title":{"rendered":"BGH: Darstellung einer realen Person durch einen Schauspieler ist kein Bildnis der dargestellten Person"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_column _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243; type=&#8220;4_4&#8243;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p>BGH-Entscheidung vom 18. Mai 2021 \u2013 VI ZR 441\/19<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger war in den 1980er Jahren Sch\u00fcler der Odenwaldschule, wo er \u00fcber mehrere Jahre sexuell missbraucht wurde. Seit \u00fcber 20 Jahren machte er auf das Missbrauchsgeschehen aufmerksam und trug ma\u00dfgeblich zu dessen Aufkl\u00e4rung bei. Er ver\u00f6ffentlichte auch autobiographisches Buch. 2012 legte er sein zun\u00e4chst verwendetes Pseudonym ab. Im Jahr 2014 strahlte ein deutscher Fernsehsender den Spielfilm &#8222;Die Auserw\u00e4hlten&#8220; aus. Der an Originalschaupl\u00e4tzen gedrehte Film thematisiert den sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule, wobei der Kl\u00e4ger als Vorbild f\u00fcr die zentrale Filmfigur zu erkennen ist. Der Kl\u00e4ger, der eine Mitwirkung an dem Film im Vorfeld abgelehnt hatte, hielt dies f\u00fcr einen unzul\u00e4ssigen Eingriff in sein Pers\u00f6nlichkeitsrecht. Er begehrte, die weitere Verbreitung der entsprechenden Filmszenen zu unterlassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Das Landgericht Hamburg wies die Klage ab. Die Berufung des Kl\u00e4gers hatte keinen Erfolg. Der deutsche Bundesgerichtshof best\u00e4tigte heute die Vorentscheidungen.<\/p>\n<p>In seiner Begr\u00fcndung f\u00fchrte der BGH aus, dass der Kl\u00e4ger sein Unterlassungsbegehren nicht auf sein Recht am eigenen Bild st\u00fctzen kann und entschied damit in einer umstrittenen Rechtsfrage, dass eine als solche <strong>erkennbare blo\u00dfe Darstellung einer realen Person durch einen Schauspieler in einem Spielfilm kein Bildnis der dargestellten Person<\/strong> ist. Dieser Schutz steht im Falle der als solche erkennbaren blo\u00dfen Darstellung einer Person durch einen Schauspieler dem Schauspieler zu, der in diesem Fall auch <strong>in seiner Rolle noch &#8222;eigenpers\u00f6nlich&#8220; und damit als er selbst erkennbar<\/strong> bleibt. Als Bildnis der dargestellten Person ist die Darstellung dagegen (erst) dann anzusehen, wenn <strong>der t\u00e4uschend echte Eindruck<\/strong> erweckt wird, es handele sich um die dargestellte Person selbst, wie dies etwa bei dem Einsatz eines Doppelg\u00e4ngers oder einer nachgestellten ber\u00fchmten Szene oder Fotographie der Fall sein kann.<\/p>\n<p>Der Anspruch ergab sich bei der gebotenen kunstspezifischen Betrachtungsweise auch nicht aus dem allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrechts des Kl\u00e4gers. Der Kl\u00e4ger ist zwar durch die ausgepr\u00e4gten \u00dcbereinstimmungen zwischen seinem Schicksal und der Darstellung der entsprechenden zentralen Filmfigur <strong>in seinem Pers\u00f6nlichkeitsrecht betroffen<\/strong>. Jedoch wiegt diese Betroffenheit im Ergebnis und unter Ber\u00fccksichtigung der von dem Kl\u00e4ger in der <strong>Vergangenheit praktizierten Selbst\u00f6ffnung<\/strong> nicht so schwer, dass die <strong>Kunst- und Filmfreiheit<\/strong> dahinter zur\u00fccktreten m\u00fcsste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bundesgerichtshof.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2021\/2021097.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Quelle: Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs vom 18.5.2021<\/a><\/p>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BGH-Entscheidung vom 18. Mai 2021 \u2013 VI ZR 441\/19 &nbsp; Sachverhalt: Der Kl\u00e4ger war in den 1980er Jahren Sch\u00fcler der Odenwaldschule, wo er \u00fcber mehrere Jahre sexuell missbraucht wurde. Seit \u00fcber 20 Jahren machte er auf das Missbrauchsgeschehen aufmerksam und trug ma\u00dfgeblich zu dessen Aufkl\u00e4rung bei. 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