{"id":3998,"date":"2021-02-26T10:47:45","date_gmt":"2021-02-26T10:47:45","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=3998"},"modified":"2021-03-25T16:21:11","modified_gmt":"2021-03-25T16:21:11","slug":"cnn-beitrag-auf-oesterreichischem-nachrichtenportal-berechtigtes-vertrauen-auf-rechteeinraeumung-oder-verstoss-gegen-berufliche-sorgfalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=3998","title":{"rendered":"CNN-Beitrag auf \u00f6sterreichischem Nachrichtenportal: Berechtigtes Vertrauen auf Rechteeinr\u00e4umung oder Versto\u00df gegen berufliche Sorgfalt?"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>OGH-Entscheidung vom 26.1.2021, 4 Ob 218\/20t<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Die Streitteile sind Medieninhaber zweier konkurrierender Online-Informationsportale.<\/p>\n<p>Die Beklagte ver\u00f6ffentlichte einen Artikel \u00fcber ein Interview des Bundeskanzlers auf CNN und hielt dazu auch den CNN-Beitrag als Video zum Abruf bereit. Vor dieser Ver\u00f6ffentlichung \u00fcbermittelte der Pressesprecher des Bundeskanzlers die Videosequenz per E-Mail mit folgender Erkl\u00e4rung: \u201e<em>Hier der Link zum Download des Interviews \u2013 Bitte diesen Link nicht einbetten, sondern das Video runterladen und auf dem eigenen Kanal bzw der eigenen Website wieder hochladen. Sollte dies nicht m\u00f6glich sein, kann unser YouTube-Video gerne verwendet und eingebettet werden<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Die\u00a0<span style=\"font-weight: inherit; font-style: inherit;\">Kl\u00e4gerin\u00a0beantragte vor Gericht, dass es der Beklagten verboten werden solle, f\u00fcr Dritte urheberrechtlich gesch\u00fctzte Bild- oder Bild-Tonsequenzen ohne Zustimmung des Urhebers zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die Beklagte habe das in Rede stehende Video direkt aus dem Sendesignal von CNN erstellt.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Das Erstgericht wies das Klagebegehren ab. Das Berufungsgericht best\u00e4tigte diese Entscheidung. Der OGH wies die au\u00dferordentliche Revision der Kl\u00e4gerin mangels erheblicher Rechtsfrage zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin st\u00fctzt das Klagebegehren auf den Vorwurf <strong>unlauteren Verhaltens durch Verletzung der einem Medienunternehmer gebotenen beruflichen Sorgfalt im Zusammenhang mit Urheberrechten Dritter<\/strong>. Die beruflichen Sorgfaltspflichten nach \u00a7\u00a01 Abs\u00a04 Z\u00a08 UWG bestimmen sich nach den anst\u00e4ndigen Marktgepflogenheiten im jeweiligen unternehmerischen T\u00e4tigkeitsbereich sowie nach dem Grundsatz von Treu und Glauben (vgl. Entscheidung <a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=1514\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>HIER<\/strong> <\/a>im Blog).<\/p>\n<p>Bei \u00dcbernahme eines Bildsignals oder bei Ver\u00f6ffentlichung einer Videosequenz ist die <strong>Verletzung der beruflichen Sorgfalt<\/strong> <strong>zu verneinen, wenn sich der Beklagte zumindest dem Anschein nach mit guten Gr\u00fcnden auf die Zustimmung des Berechtigten st\u00fctzen kann<\/strong>. Ein dar\u00fcberhinausgehender Branchen-Usus dahin, dass sich ein Medienunternehmer vor Ver\u00f6ffentlichung einer Videosequenz von der Zustimmung des Berechtigten durch aktive Nachfrage beim Urheber vergewissern m\u00fcsse, besteht nicht.<\/p>\n<p>Im Anlassfall kommt es entscheidend auf die <strong>E-Mail-Erkl\u00e4rung des Pressesprechers<\/strong> des Bundeskanzlers an. Diese E-Mail konnte aufgrund der <strong>konkreten Anweisungen<\/strong> zur Ver\u00f6ffentlichung der \u00fcbermittelten Videosequenz <strong>als Freigabe verstanden<\/strong> werden. Die <strong>Beklagte durfte daher auf eine entsprechende Rechteeinr\u00e4umung vertrauen.<\/strong> Nach dem Inhalt der E-Mail-Erkl\u00e4rung hatte auch der Bundeskanzler selbst das Video \u00fcber seinen YouTube-Kanal verbreitet und die Beklagte h\u00e4tte auch darauf zur\u00fcckgreifen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: inherit;\">Eine Verletzung der beruflichen Sorgfaltspflichten durch die Beklagte aufgrund eines Versto\u00dfes gegen die journalistische Sorgfalt im Sinn der \u00a7\u00a7\u00a06 Abs\u00a02 Z\u00a02 lit\u00a0b und 29 Abs\u00a01 MedienG lag nach Ansicht des OGH ebenfalls nicht vor. Das Gebot zur Einhaltung der journalistischen Sorgfalt erfordert, dass der Ver\u00f6ffentlichung auf Tatsachen gegr\u00fcndeter herabsetzender \u00c4u\u00dferungen zumutbare und leicht durchf\u00fchrbare Recherchen vorangehen m\u00fcssen und dem von einer solchen Berichterstattung Betroffenen grunds\u00e4tzlich Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben werden muss. Im Anlassfall durfte ein mit den rechtlich gesch\u00fctzten Werten verbundener Journalist auf eine Rechteeinr\u00e4umung vertrauen und musste daher nicht mit der Verletzung von Urheberrechten oder Leistungsschutzrechten rechnen.<\/span><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 26.1.2021, 4 Ob 218\/20t &nbsp; Sachverhalt: Die Streitteile sind Medieninhaber zweier konkurrierender Online-Informationsportale. 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