{"id":3820,"date":"2020-12-10T10:11:53","date_gmt":"2020-12-10T10:11:53","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=3820"},"modified":"2021-05-02T13:22:44","modified_gmt":"2021-05-02T13:22:44","slug":"bgh-zum-umfang-der-von-youtube-geschuldeten-auskunft-ueber-benutzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=3820","title":{"rendered":"BGH zum Umfang der von &#8222;YouTube&#8220; geschuldeten Auskunft \u00fcber Benutzer"},"content":{"rendered":"\n[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<p>BGH-Urteil vom 10.12.2020 &#8211; I ZR 153\/17<\/p>\n<p><strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin ist eine Filmverwerterin. Die Beklagte betreibt die Internetplattform &#8222;YouTube&#8220;. Beim Hochladen von Videos auf &#8222;YouTube&#8220; m\u00fcssen sich Benutzerinnen und Benutzer registrieren und dabei zwingend ihren Namen, eine E-Mail-Adresse und ein Geburtsdatum angeben. F\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung eines Videos von mehr als 15 Minuten L\u00e4nge muss au\u00dferdem eine Telefonnummer angegeben werden. Ferner m\u00fcssen die Nutzer in die Speicherung von IP-Adressen einwilligen. Die Filme &#8222;Parker&#8220; und &#8222;Scary Movie 5&#8220; wurden in den Jahren 2013 und 2014 von drei verschiedenen Nutzern auf &#8222;YouTube&#8220; hochgeladen. Die Kl\u00e4gerin macht exklusive Nutzungsrechte an diesen Filmwerken geltend.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin machte vor Gericht ihren <strong>Anspruch auf Auskunftserteilung<\/strong> geltend. Konkret stand in Frage, ob die Kl\u00e4gerin Anspr\u00fcche auf Auskunft \u00fcber die E-Mail-Adressen, die Telefonnummern und diejenigen IP-Adressen hat, die f\u00fcr das Hochladen der beiden Filme und f\u00fcr den letzten Zugriff auf die Konten der Benutzer genutzt wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Das Landgericht wies die Klage ab. Die Berufung der Kl\u00e4gerin hatte teilweise Erfolg. Der BGH setzte das Verfahren im Februar 2019 aus und legte es dem EuGH vor (<a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3553\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>dessen Entscheidung hier im Blog nachzulesen ist<\/strong><\/a>).<\/p>\n<p>Der BGH hat der Revision der Beklagten nunmehr stattgegeben und die Revision der Kl\u00e4gerin zur\u00fcckgewiesen. Der <strong>Auskunftsanspruch \u00fcber &#8222;Namen und Anschrift&#8220;<\/strong> im Sinne des \u00a7 101 Abs. 3 Nr. 1 dUrhG <strong>schlie\u00dft die Auskunft \u00fcber E-Mail-Adressen und Telefonnummern der Nutzer der Dienstleistungen nicht ein<\/strong>. Er umfasst auch nicht die Auskunft \u00fcber die f\u00fcr das Hochladen rechtsverletzender Dateien verwendeten IP-Adressen oder die von den Nutzern der Dienstleistungen zuletzt f\u00fcr einen Zugriff auf ihr Benutzerkonto verwendeten IP-Adressen.<\/p>\n<p>Der Begriff &#8222;Anschrift&#8220; im Sinne von \u00a7 101 Abs. 3 Nr. 1 dUrhG deckt sich mit dem Begriff &#8222;Adressen&#8220; in Art. 8 Abs. 2 Buchst. a der Richtlinie 2004\/48\/EG. Diese Richtlinienvorschrift ist nach dem <a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=3553\">erw\u00e4hnten Urteil des EuGH<\/a> dahin auszulegen, dass der darin genannte Begriff &#8222;Adressen&#8220; sich, was einen Nutzer anbelangt, der durch das Hochladen von Dateien ein Recht des geistigen Eigentums verletzt hat, nicht auf die E-Mail-Adresse und Telefonnummer dieses Nutzers sowie die f\u00fcr das Hochladen dieser Dateien genutzten IP-Adresse oder die bei seinem letzten Zugriff auf das Benutzerkonto verwendete IP-Adresse bezieht. Es gibt keinen Anhaltspunkt daf\u00fcr, dass der Gesetzgeber bei der Ausgestaltung des Umfangs der Auskunft in \u00a7 101 Abs. 3 Nr. 1 dUrhG \u00fcber die Regelung in Art. 8 Abs. 2 Buchst. a der Richtlinie 2004\/48\/EG hinausgehen wollte. Danach ist eine weitere (dynamische) Gesetzesauslegung durch den Senat ebenso ausgeschlossen wie eine analoge Anwendung von \u00a7 101 Abs. 3 Nr. 1 dUrhG. Ein \u00fcber die Auskunft von &#8222;Namen und Anschrift&#8220; im Sinne von \u00a7 101 Abs. 3 Nr. 1 dUrhG hinausgehender Auskunftsanspruch ergibt sich auch nicht aus dem allgemeinen Auskunftsanspruch nach \u00a7 242 dBGB.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Quelle: Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs vom 10.12.2020<\/em><\/p>\n[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BGH-Urteil vom 10.12.2020 &#8211; I ZR 153\/17 Sachverhalt:\u00a0 Die Kl\u00e4gerin ist eine Filmverwerterin. Die Beklagte betreibt die Internetplattform &#8222;YouTube&#8220;. Beim Hochladen von Videos auf &#8222;YouTube&#8220; m\u00fcssen sich Benutzerinnen und Benutzer registrieren und dabei zwingend ihren Namen, eine E-Mail-Adresse und ein Geburtsdatum angeben. 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