{"id":3611,"date":"2020-08-25T11:49:45","date_gmt":"2020-08-25T11:49:45","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=3611"},"modified":"2020-08-26T12:01:04","modified_gmt":"2020-08-26T12:01:04","slug":"bgh-entscheidet-ueber-auslistungsbegehren-gegen-google-recht-auf-vergessenwerden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=3611","title":{"rendered":"BGH entscheidet \u00fcber Auslistungsbegehren gegen Google (&#8222;Recht auf Vergessenwerden&#8220;)"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>BGH- Entscheidung vom 27. Juli 2020 &#8211; VI ZR 405\/18<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger war Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eines Regionalverbandes einer Wohlfahrtsorganisation. Im Jahr 2011 wies dieser Regionalverband ein finanzielles Defizit von knapp einer Million Euro auf; kurz zuvor meldete sich der Kl\u00e4ger krank. \u00dcber beides berichtete seinerzeit die regionale Tagespresse unter Nennung des vollen Namens des Kl\u00e4gers.<\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger begehrte von &#8222;Google&#8220;, es zu unterlassen, diese Presseartikel bei einer Suche nach seinem Namen in der Ergebnisliste nachzuweisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung: <\/strong><\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger hatte in den ersten beiden Instanzen keinen Erfolg. Auch der deutsche BGH wies die Revision des Kl\u00e4gers zur\u00fcck. Aus der Begr\u00fcndung:<\/p>\n<p>Der geltend gemachte Anspruch auf Auslistung der streitgegenst\u00e4ndlichen Ergebnislinks ergibt sich nicht aus Art. 17 Abs. 1 DSGVO. Der Auslistungsanspruch aus Art. 17 Abs. 1 DSGVO erfordert nach der Rechtsprechung des EuGH und einem hier ma\u00dfgeblichen Beschluss des deutschen Bundesverfassungsgerichts eine <strong>umfassende Grundrechtsabw\u00e4gung<\/strong>, die auf der Grundlage aller relevanten Umst\u00e4nde des Einzelfalles und unter Ber\u00fccksichtigung der Schwere des Eingriffs in die Grundrechte der betroffenen Person einerseits, der Grundrechte der Beklagten, der Interessen ihrer Nutzer und der \u00d6ffentlichkeit sowie der Grundrechte der Anbieter der in den beanstandeten Ergebnislinks nachgewiesenen Inhalte andererseits vorzunehmen ist.<\/p>\n<p>Da im Rahmen dieser Abw\u00e4gung die <strong>Meinungsfreiheit<\/strong> der durch die Entscheidung belasteten Inhalteanbieter als unmittelbar betroffenes Grundrecht in die Abw\u00e4gung einzubeziehen ist, gilt <strong>keine Vermutung eines Vorrangs der Schutzinteressen des Betroffenen<\/strong>, sondern sind die sich gegen\u00fcberstehenden Grundrechte gleichberechtigt miteinander abzuw\u00e4gen <strong>(Gebot der gleichberechtigten Abw\u00e4gung).<\/strong><\/p>\n<p>Nach diesen Grunds\u00e4tzen haben die Grundrechte des Kl\u00e4gers auch unter Ber\u00fccksichtigung des Zeitablaufs im konkreten Fall <strong>hinter den Interessen der Beklagten<\/strong> und den in deren Waagschale zu legenden <strong>Interessen ihrer Nutzer, der \u00d6ffentlichkeit und der f\u00fcr die verlinkten Zeitungsartikel verantwortlichen Presseorgane<\/strong> zur\u00fcckzutreten, wobei der fortdauernden <strong>Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der verlinkten Berichterstattung<\/strong> entscheidungsanleitende Bedeutung f\u00fcr das Auslistungsbegehren gegen die Beklagte zukommt.<\/p>\n<p>Ein pauschales Vorrangverh\u00e4ltnis der Interessen des Betroffenen wurden damit vom BGH verneint.<\/p>\n<p>Ein weiteres Verfahren (VI ZR 476\/18) zu einem \u00e4hnlich gelagerten Auslistungsbegehren legte der BGH dem EuGH zur Vorabentscheidung vor. Der EuGH soll hier entscheiden, wie vorzugehen ist, wenn der Link, dessen Auslistung beantragt wird, zu einem Inhalt f\u00fchrt, deren Wahrheit der Betroffene in Abrede stellt; dh wenn strittig ist, ob der berichtete Inhalt wahr oder falsch ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Quelle: Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs vom 27.7.2020<\/em><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BGH- Entscheidung vom 27. Juli 2020 &#8211; VI ZR 405\/18 &nbsp; Sachverhalt: Der Kl\u00e4ger war Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer eines Regionalverbandes einer Wohlfahrtsorganisation. 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