{"id":3489,"date":"2020-06-16T09:43:06","date_gmt":"2020-06-16T09:43:06","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=3489"},"modified":"2020-06-16T09:49:54","modified_gmt":"2020-06-16T09:49:54","slug":"eugh-pharmaunternehmen-duerfen-keine-gratismuster-verschreibungspflichtiger-arzneimittel-an-apotheker-abgeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=3489","title":{"rendered":"EuGH: Pharmaunternehmen d\u00fcrfen keine Gratismuster verschreibungspflichtiger Arzneimittel an Apotheker abgeben"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_column _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243; type=&#8220;4_4&#8243;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>EuGH-Urteil vom 11.6.2020, Rechtssache\u00a0C\u2011786\/18<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Der Pharmakonzern Novartis stellt das Arzneimittel Voltaren Schmerzgel mit dem Wirkstoff Diclofenac her und vertreibt es. Der Pharmakonzern Ratiopharm vertreibt wiederum das apothekenpflichtige Arzneimittel Diclo-ratiopharm-Schmerzgel, das ebenfalls den Wirkstoff Diclofenac enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>Im Laufe des Jahres 2013 gaben Mitarbeiter von ratiopharm <strong>kleine Verkaufspackungen<\/strong> dieses <strong>Arzneimittels<\/strong>, die mit der Aufschrift <strong><em>\u201ezu Demonstrationszwecken\u201c<\/em><\/strong> versehen waren, <strong>kostenlos an deutsche Apotheker<\/strong> ab. Novartis sah darin einen Versto\u00df gegen \u00a7\u00a047 Abs.\u00a03 dAMG und eine nach deutschem Recht unzul\u00e4ssige Gew\u00e4hrung von Werbegaben. Novartis klagte daher auf Unterlassung. Ratiopharm solle es untersagt werden, Gratismuster von Arzneimitteln an Apotheker abzugeben.<\/p>\n<p>Das Erstgericht gab der Klage statt. Das Berufungsgericht best\u00e4tigte das erstinstanzliche Urteil. Der danach mit der Revision befasste deutsche BGH beschloss, das Verfahren auszusetzen und dem EuGH zur Vorabentscheidung vorzulegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Der EuGH hatte die Frage zu beantworten, ob Art.\u00a096 Abs.\u00a01 der Richtlinie 2001\/83 (Gemeinschaftskodex f\u00fcr Humanarzneimittel) dahin auszulegen ist, dass er es pharmazeutischen Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, auch an Apotheker Gratismuster von Arzneimitteln abzugeben.<\/p>\n<p>Der EuGH f\u00fchrte hierzu zun\u00e4chst aus, dass die ma\u00dfgebliche Bestimmung das <strong>Recht, Gratismuster von Arzneimitteln zu erhalten, auf \u201e<em>die zur Verschreibung berechtigten Personen<\/em>\u201c beschr\u00e4nkt<\/strong>. Die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden h\u00e4tten bei der Erteilung der Genehmigung f\u00fcr das Inverkehrbringen eines Arzneimittels genaue Angaben zu machen, ob das Arzneimittel unter die <strong>\u00e4rztliche Verschreibungspflicht f\u00e4llt oder nicht<\/strong>.<\/p>\n<p>Verschreibungspflichtige Medikamente m\u00fcssen von \u201ezur Verschreibung berechtigten\u201c Personen, also von ausgebildeten \u00c4rzten, verschrieben werden, um mit ihrer Verwendung verbundene Gefahren beherrschen zu k\u00f6nnen. <strong>Apotheker geh\u00f6ren nicht zur Gruppe der \u201e<em>zur Verschreibung berechtigten<\/em>\u201c Personen<\/strong>, da sie rechtlich nicht befugt sind, Arzneimittel zu verschreiben. Gratismuster verschreibungspflichtiger Arzneimittel d\u00fcrfen daher nur an zur Verschreibung dieser Arzneimittel berechtigte Personen abgegeben werden, was zur Folge hat, dass eine Abgabe an Apotheker nicht zul\u00e4ssig\u00a0ist. Dies bedeute jedoch nicht, dass Apothekern durch diese Richtlinie die M\u00f6glichkeit, Gratismuster zu erhalten, vollst\u00e4ndig genommen wird. Die Abgabe von Gratismustern an Apotheker ist <strong>grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich<\/strong>, jedoch <strong>nicht von Gratismustern verschreibungspflichtiger Arzneimittel<\/strong>.<\/p>\n<p>Zusammenfassend kam der EuGH daher zu dem Ergebnis, dass Art.\u00a096 Abs.\u00a01 der Richtlinie 2001\/83 dahin auszulegen ist, dass er es <strong>pharmazeutischen Unternehmen nicht erlaubt, Gratismuster verschreibungspflichtiger Arzneimittel an Apotheker abzugeben. Dagegen steht diese Bestimmung der Abgabe von Gratismustern nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel an Apotheker nicht entgegen<\/strong>.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EuGH-Urteil vom 11.6.2020, Rechtssache\u00a0C\u2011786\/18 &nbsp; Sachverhalt: Der Pharmakonzern Novartis stellt das Arzneimittel Voltaren Schmerzgel mit dem Wirkstoff Diclofenac her und vertreibt es. Der Pharmakonzern Ratiopharm vertreibt wiederum das apothekenpflichtige Arzneimittel Diclo-ratiopharm-Schmerzgel, das ebenfalls den Wirkstoff Diclofenac enth\u00e4lt. 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