{"id":3421,"date":"2020-05-27T09:40:31","date_gmt":"2020-05-27T09:40:31","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=3421"},"modified":"2020-05-27T09:47:55","modified_gmt":"2020-05-27T09:47:55","slug":"werbung-mit-reichweitenangaben-darf-nicht-irrefuehrend-sein-strenger-massstab-gilt-auch-bei-werbung-an-fachkreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=3421","title":{"rendered":"Werbung mit Reichweitenangaben darf nicht irref\u00fchrend sein. Strenger Ma\u00dfstab gilt auch bei Werbung an Fachkreise."},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243;][et_pb_column _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243; type=&#8220;4_4&#8243;][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.4.6&#8243; hover_enabled=&#8220;0&#8243;]<\/p>\n<p>OGH-Entscheidung vom 30.3.2020, 4 Ob 194\/19m<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Die Beklagte ist Medieninhaberin von \u201e\u00d6sterreich\u201c und \u201eoe24\u201c. In der Fachzeitschrift \u201eExtradienst\u201c ver\u00f6ffentlichte sie folgende Eigenwerbung:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/\u00f6sterreich-eigenwerbung.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/\u00f6sterreich-eigenwerbung-212x300.jpg\" width=\"212\" height=\"300\" alt=\"\" class=\"wp-image-3424 alignleft size-medium\" srcset=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/\u00f6sterreich-eigenwerbung-212x300.jpg 212w, https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/\u00f6sterreich-eigenwerbung.jpg 473w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die\u00a0Kl\u00e4gerin, Medieninhaberin der \u201eKronen Zeitung\u201c,\u00a0klagte auf Unterlassung und beantragte die Erlassung einer einstweiligen Verf\u00fcgung. Denn die Beklagte habe in ihrer Einschaltung f\u00fcr ihr eigenes Medium einen Vergleich innerhalb des Jahres\u00a02018 angef\u00fchrt, f\u00fcr die \u201eKronen Zeitung\u201c hingegen einen Vergleich zwischen 2017 und 2018. Ein solcher Vergleich sei irref\u00fchrend, weil <strong>unterschiedliche Zeitr\u00e4ume miteinander in Beziehung gesetzt<\/strong> w\u00fcrden. Auch der behauptete Anstieg der Zahl der Leser von \u201e\u00d6sterreich\u201c um 80.000 sei falsch und damit irref\u00fchrend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Das Sicherungsbegehren wurde in erster und zweiter Instanz abgewiesen. Der OGH befand den Revisionsrekurs der Beklagten jedoch f\u00fcr zul\u00e4ssig und berechtigt. Aus der Begr\u00fcndung:<\/p>\n<p>F\u00fcr Medieninhaber und Verlage ist beim Verkauf von Anzeigenfl\u00e4chen ein wesentliches Kriterium, m\u00f6glichst hohe Reichweiten ihrer Medien behaupten zu k\u00f6nnen. Je h\u00f6her die Reichweite eines Mediums ist, desto attraktiver ist die Schaltung von Inseraten darin. Die Media-Analyse (MA) genie\u00dft in \u00d6sterreich besonders hohes Vertrauen.<\/p>\n<p><strong>Werbung mit Reichweitenangaben ist streng zu beurteilen<\/strong>. Da die Aussagekraft von Reichweitenangaben ganz entscheidend davon abh\u00e4ngt, wie, von wem und wann sie errechnet wurden, muss der Werbende die von ihm angegebene <strong>Reichweite definieren, er muss die Quelle und den Erhebungszeitraum angeben<\/strong>.<\/p>\n<p>Richtet sich eine <strong>Werbeaussage an Fachkreise<\/strong>, so ist f\u00fcr die lauterkeitsrechtliche Beurteilung das <strong>Verst\u00e4ndnis eines fachkundigen Lesers<\/strong> der Fachzeitschrift ma\u00dfgebend. Der Gesamteindruck kann durch einzelne Teile der Ank\u00fcndigung, die als Blickfang besonders herausgestellt sind, entscheidend gepr\u00e4gt werden. Bei einer blickfangartigen Aussage bedarf es zur Vermeidung eines irref\u00fchrenden Gesamteindrucks eines <strong>deutlich wahrnehmbaren aufkl\u00e4renden Hinweises<\/strong>.<\/p>\n<p>Die <strong>Irref\u00fchrungseignung<\/strong> kann auch durch <strong>unvollst\u00e4ndige Angaben<\/strong> herbeigef\u00fchrt werden, wenn hinsichtlich <strong>wesentlicher Umst\u00e4nde ein falscher Gesamteindruck<\/strong> hervorgerufen wird, der Adressaten der Werbung <strong>zu einer gesch\u00e4ftlichen Entscheidung veranlasst<\/strong> werden, die sie sonst nicht getroffen h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die verfahrensgegenst\u00e4ndliche Werbung vermittelt den falschen Eindruck, einen Vergleich von Medien f\u00fcr denselben Zeitraum anzustellen, obwohl die jeweils angegebenen Zuw\u00e4chse oder Verluste unterschiedliche Zeitr\u00e4ume betreffen. Damit wird <strong>\u00fcber die jeweilige Steigerung bzw die Verringerung der Reichweite get\u00e4uscht<\/strong>.<\/p>\n<p>Richtet sich eine Werbeaussage allein an Fachkreise, ist f\u00fcr die wettbewerbsrechtliche Beurteilung dieser Werbebehauptung allein die Verkehrsauffassung dieser Fachkreise ma\u00dfgebend. Allerdings ist auch Fachkreisen nicht zumutbar, aufkl\u00e4rende Hinweise zu beachten, die dem Werbetext \u2013 wie hier \u2013 in einem um 90\u00a0Grad gedrehten Randvermerk in <strong>Kleinstschrift<\/strong> beigef\u00fcgt sind.<\/p>\n<p>Die Werbung war dem OGH zufolge dazu geeignet, gesch\u00e4ftliche Entscheidungen der Adressaten zu veranlassen, die sie sonst nicht getroffen h\u00e4tten, da die Attraktivit\u00e4t eines Mediums f\u00fcr Werbekunden umso h\u00f6her ist, je h\u00f6her dessen Reichweite liegt. Auch die behauptete Steigerung auf 80.000 (statt blo\u00df 75.000\u00a0Leser) sei irref\u00fchrend. Der OGH gab dem Revisionsrekurs daher zur G\u00e4nze Folge und erlie\u00df die beantragte einstweilige Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 30.3.2020, 4 Ob 194\/19m &nbsp; Sachverhalt: Die Beklagte ist Medieninhaberin von \u201e\u00d6sterreich\u201c und \u201eoe24\u201c. In der Fachzeitschrift \u201eExtradienst\u201c ver\u00f6ffentlichte sie folgende Eigenwerbung: &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Die\u00a0Kl\u00e4gerin, Medieninhaberin der \u201eKronen Zeitung\u201c,\u00a0klagte auf Unterlassung und beantragte die Erlassung einer einstweiligen Verf\u00fcgung. 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