{"id":316,"date":"2013-06-20T13:29:07","date_gmt":"2013-06-20T13:29:07","guid":{"rendered":"http:\/\/lawbulletin.wordpress.com\/?p=231"},"modified":"2013-06-20T13:29:07","modified_gmt":"2013-06-20T13:29:07","slug":"vorwurf-der-falschberichterstattung-schadenersatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=316","title":{"rendered":"Vorwurf der Falschberichterstattung: Schadenersatz"},"content":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung: OGH 23.05.2013, 23.05.2013<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Streitparteien im zugrundeliegenden Fall sind die Medieninhaberinnen von zwei Tageszeitungen (und einem Online-Medium). Verfahrensgegenst\u00e4ndlich war folgender Artikel, der in Tageszeitung und Website der Beklagten ver\u00f6ffentlicht wurde:<\/p>\n<p><em>\u201eK***** berichtet bewusst falsch.<\/p>\n<p>Die K***** hat gestern in gesch\u00e4ftssch\u00e4digender Weise behauptet, \u00d6***** habe einen \u201eHacker-Angriff\u201c auf G***** Freund E***** K***** P***** durchgef\u00fchrt. Das ist falsch. Es gab niemals einen \u201eHacker-Angriff\u201c von \u00d6***** auf die Internet-Adressen von P*****. Richtig ist vielmehr, dass ein in K\u00fcndigung befindlicher Mitarbeiter in einer privaten Aktion Internet-Recherchen durchgef\u00fchrt hat. Diese Recherchen &#8211; ob es sich um \u201eHacker-Versuche\u201c gehandelt hat, wird eine Untersuchung zeigen &#8211; wurden weder von \u00d6***** beauftragt, noch wurden sie in \u00d6***** verwendet. Der Mitarbeiter ist bei \u00d6***** nicht mehr besch\u00e4ftigt. Gegen die K***** wurde gestern wegen des absichtlich falschen Berichts Klage eingebracht. Ebenso gegen EK P*****. Bleibt die Frage: Warum hat die K***** so enge Beziehungen zu P*****? Warum geht die K***** gegen kritische Medien in Fall P***** vor- und schreibt selbst kein kritisches Wort \u00fcber die Causa G*****? Kann es sein, dass K*****-Herausgeber C***** D***** Gesch\u00e4fte mit P***** und G***** betrieben hat? Und dass die Staatsanwaltschaft beim Verkauf des D***** durch G***** auch Millionen-Geldfl\u00fcsse von D***** pr\u00fcft?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Beklagten reagierten mit diesem Artikel auf einen Artikel in der Zeitung der Kl\u00e4gerin. Darin hatte die Kl\u00e4gerin unter der \u00dcberschrift \u201eDatenklau-Aff\u00e4re und Billigblatt\u201c berichtet, dass man versucht habe, von einer IP-Adresse, die einer mit den Beklagten verbundenen Gesellschaft zuzuordnen sei, in das E-Mail-System eines (dritten) Unternehmers einzudringen. Grundlage f\u00fcr diesen Bericht war eine gegen diese Gesellschaft erlassene einstweilige Verf\u00fcgung gewesen.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin klagte auf Unterlassung, Ver\u00f6ffentlichung eines Widerrufs sowie Schadenersatz.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Erstgericht und Berufungsgericht gaben dem Unterlassungs- und Widerrufsbegehren statt und wiesen das Schadenersatzbegehren ab.<br \/>\nDer OGH erkl\u00e4rte die au\u00dferordentliche Revision der Kl\u00e4gerin gegen die Abweisung des Schadenersatzbegehrens f\u00fcr zul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Auch juristischen Personen, die wegen ihrer Struktur keinen Schadenersatzanspruch wegen \u201eerlittener Kr\u00e4nkung\u201c haben k\u00f6nnen, kann nach \u00a7 16 Abs 2 UWG eine dem richterlichen Ermessen unterliegende Geldbu\u00dfe zuzusprechen sein, wenn mit einem ernstlich beeintr\u00e4chtigenden Wettbewerbsversto\u00df eine <strong>Verletzung des \u00e4u\u00dferen sozialen Geltungsanspruchs als Ausfluss des Pers\u00f6nlichkeitsrechts <\/strong>verbunden ist. Dabei sind auch die damit verbundenen, nicht bezifferbaren Verm\u00f6genssch\u00e4den zu ber\u00fccksichtigen. In jedem Fall muss es sich aber &#8211; im Interesse der Gleichbehandlung mit physischen Personen &#8211; um eine <strong>besonders schwere Beeintr\u00e4chtigung der sozialen Wertstellung <\/strong>der betroffenen juristischen Person handeln.<\/p>\n<p>Richtig ist, dass keine qualifizierte Beschimpfung der Kl\u00e4gerin vorlag. Im vorliegenden Fall haben die Beklagten der Kl\u00e4gerin eine <strong>bewusste Falschberichterstattung unterstellt<\/strong>. Dieser Vorwurf geht weit \u00fcber jenen der blo\u00dfen Unrichtigkeit einer Meldung (\u201eEnte\u201c; vgl. OGH-E 4 Ob 126\/89 &#8211; <em>Zeitungsente<\/em>) hinaus. Vielmehr wird die <strong>Glaubw\u00fcrdigkeit der Kl\u00e4gerin ganz grundlegend in Zweifel gezogen<\/strong>. Denn eine Zeitung, die &#8211; offenkundig im eigenen Interesse &#8211; wissentlich falsch berichtete, verl\u00f6re zu Recht jegliches Vertrauen ihrer Leser und Anzeigenkunden; einen schwerer wiegenden Vorwurf kann man einem Medium kaum machen. Unter diesen Umst\u00e4nden ist der (zuletzt) begehrte <strong>Schadenersatz jedenfalls berechtigt<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung: OGH 23.05.2013, 23.05.2013 Sachverhalt: Streitparteien im zugrundeliegenden Fall sind die Medieninhaberinnen von zwei Tageszeitungen (und einem Online-Medium). Verfahrensgegenst\u00e4ndlich war folgender Artikel, der in Tageszeitung und Website der Beklagten ver\u00f6ffentlicht wurde: \u201eK***** berichtet bewusst falsch. Die K***** hat gestern in gesch\u00e4ftssch\u00e4digender Weise behauptet, \u00d6***** habe einen \u201eHacker-Angriff\u201c auf G***** Freund E***** K***** P***** durchgef\u00fchrt. 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