{"id":3126,"date":"2020-01-23T14:43:29","date_gmt":"2020-01-23T14:43:29","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=3126"},"modified":"2020-01-27T09:57:11","modified_gmt":"2020-01-27T09:57:11","slug":"ergaenzende-vertragsauslegung-im-urheberrecht-uebertragung-von-werknutzungsrecht-infolge-widerspruchsloser-duldung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=3126","title":{"rendered":"Erg\u00e4nzende Vertragsauslegung im Urheberrecht: \u00dcbertragung von Werknutzungsrecht infolge widerspruchsloser Duldung"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.22.5&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.22.5&#8243;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.22.5&#8243;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.22.5&#8243;]<\/p>\n<p>OGH-Entscheidung vom 26.11.2019, 4 Ob 155\/19a<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Ein Rundfunkunternehmen beauftragte im Jahr\u00a01995 eine Werbeagentur mit einer Imagekampagne f\u00fcr den Sender \u00d61. Kern der Kampagne war der von einem damaligen Mitarbeiter der Kl\u00e4gerin geschaffene Slogan \u201e<em>\u00d61\u00a0geh\u00f6rt\u00a0geh\u00f6rt<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Die Werbeagentur lie\u00df sich die urheberrechtlichen Verwertungsrechte, Leistungsschutzrechte und sonstigen Eigentumsrechte daran von ihrem Mitarbeiter \u00fcbertragen. Nach Ablauf der Kampagne wurde der Slogan vom Rundfunkunternehmen weiterverwendet. Die Werbeagentur stellte keine weiteren Forderungen deswegen. Erst im Jahr\u00a02016, als das Rundfunkunternehmen eine Kampagne f\u00fcr 2017 ausschrieb (an welcher Ausschreibung sich die Werbeagentur nicht beteiligte), teilte die Werbeagentur dem Rundfunkunternehmen mit, dass sie seine Auffassung, dass die Rechte am Slogan, der auch in der neuen Kampagne verwendet werden m\u00fcsse, ihm geh\u00f6re, nicht teile.<\/p>\n<p>Die\u00a0Werbeagentur klagte schlie\u00dflich auf Unterlassung.\u00a0Das beklagte Rundfunkunternehmen d\u00fcrfe ohne ihre Zustimmung den Slogan \u201e<em>\u00d61 geh\u00f6rt geh\u00f6rt<\/em>\u201c nicht verwenden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Die\u00a0Vorinstanzen\u00a0wiesen die Klage ab. Eine <strong>erg\u00e4nzende Vertragsauslegung<\/strong> ergebe, dass dem Beklagten das zeitlich unbegrenzte Werknutzungsrecht an dem Slogan \u00fcbertragen wurden. Dies sei das gemeinsame Verst\u00e4ndnis gewesen, zumal der Slogan auch nach Beendigung der Kampagne \u00fcber rund 20\u00a0Jahre verwendet wurde und die Kl\u00e4gerin dem nicht widersprochen habe.<\/p>\n<p>Der OGH wies dagegen gerichtete\u00a0au\u00dferordentliche Revision\u00a0der Kl\u00e4gerin zur\u00fcck. Aus der Begr\u00fcndung:<\/p>\n<p>Bei <strong>Fehlen einer konkreten Vereinbarung<\/strong> seien die allgemeinen zivilrechtlichen <strong>Auslegungsregeln<\/strong> heranzuziehen. Nach \u00a7\u00a7\u00a0914\u00a0ff ABGB ist <strong>zun\u00e4chst vom Wortsinn<\/strong> in seiner gew\u00f6hnlichen Bedeutung, und <strong>weiter vom Willen der Parteien<\/strong> (also der dem Erkl\u00e4rungsempf\u00e4nger erkennbaren Absicht des Erkl\u00e4renden) auszugehen, der nicht irgendein unkontrollierbarer Parteiwille, sondern im Wesentlichen der <strong>\u201eGesch\u00e4ftszweck\u201c<\/strong> ist.<\/p>\n<p>Die Beurteilung des Berufungsgerichts, dass im konkreten Fall das Werknutzungsrecht am Slogan \u201e<em>\u00d61\u00a0geh\u00f6rt\u00a0geh\u00f6rt<\/em>\u201c aufgrund der allgemeinen Auslegungsregeln bei Vertr\u00e4gen auf Dauer \u00fcbertragen wurde, hielt der OGH daher jedenfalls f\u00fcr vertretbar. Der Erfolg der von der Kl\u00e4gerin gestalteten Imagekampagne sei davon abh\u00e4ngig, den Verbrauchern das einmal gepr\u00e4gte Image durch die <strong>Weiterverwendung von etablierten Identifikationsmerkmalen<\/strong> gegenw\u00e4rtig zu halten. Deshalb sowie aufgrund der <strong>jahrzehntelangen widerspruchslosen Duldung der Verwendung des Slogans<\/strong> sei das Nutzungsrecht am Slogan dem Beklagten <strong>zeitlich<\/strong> <strong>unbegrenzt \u00fcbertragen<\/strong> worden.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 26.11.2019, 4 Ob 155\/19a &nbsp; Sachverhalt: Ein Rundfunkunternehmen beauftragte im Jahr\u00a01995 eine Werbeagentur mit einer Imagekampagne f\u00fcr den Sender \u00d61. Kern der Kampagne war der von einem damaligen Mitarbeiter der Kl\u00e4gerin geschaffene Slogan \u201e\u00d61\u00a0geh\u00f6rt\u00a0geh\u00f6rt\u201c. Die Werbeagentur lie\u00df sich die urheberrechtlichen Verwertungsrechte, Leistungsschutzrechte und sonstigen Eigentumsrechte daran von ihrem Mitarbeiter \u00fcbertragen. 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