{"id":3023,"date":"2019-10-08T11:13:58","date_gmt":"2019-10-08T11:13:58","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=3023"},"modified":"2019-10-08T11:18:54","modified_gmt":"2019-10-08T11:18:54","slug":"ogh-zur-parallelen-anwendbarkeit-des-%c2%a7-78-urhg-recht-am-eigenen-bild-und-der-dsgvo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=3023","title":{"rendered":"OGH zur parallelen Anwendbarkeit des \u00a7 78 UrhG (Recht am eigenen Bild) und der DSGVO"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.22.5&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.22.5&#8243;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.22.5&#8243;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.22.5&#8243;]<\/p>\n<p>OGH-Entscheidung vom 29.8.2019, 6 Ob 152\/19z<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Die Medieninhaberin einer \u00f6sterreichischen Tageszeitung ver\u00f6ffentlichte ein Foto der Kl\u00e4gerin, um ein Gewinnspiel zu bewerben.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin st\u00fctzt ihre Klage und ihren Antrag auf Erlassung einer einstweiligen Verf\u00fcgung prim\u00e4r auf \u00a7\u00a078 UrhG und auf \u00a7\u00a01041 ABGB. Die <strong>Beklagte wendet im Wesentlichen ein, dass der Bestimmung des \u00a7\u00a078 UrhG durch die DSGVO und das Medienprivileg des \u00a7\u00a09 Abs\u00a01 DSG materiell derogiert worden sei<\/strong>. \u00a7\u00a078 UrhG sei nur noch auf Gem\u00e4lde, Grafiken, Plastiken oder analoge Fotos anzuwenden. Auch die Bestimmungen der DSGVO seien nicht anwendbar, weil \u00a7\u00a09 Abs\u00a01 DSG eine Totalausnahme f\u00fcr journalistische Inhalte vorsehe. Daher sei \u00a7\u00a078 UrhG nicht anwendbar und die Bestimmungen der DSGVO w\u00fcrden der Verwendung des Bildes aufgrund des Medienprivilegs ebenso wenig entgegenstehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Das Erstgericht erlie\u00df die beantragte einstweilige Verf\u00fcgung und untersagte der Beklagten, Fotos der Kl\u00e4gerin ohne deren Zustimmung zu Werbezwecken zu verwenden. Das Rekursgericht best\u00e4tigte diese Entscheidung. Der OGH befand den Revisionsrekurs der Beklagten f\u00fcr unzul\u00e4ssig. Aus der Begr\u00fcndung:<\/p>\n<p>Der OGH f\u00fchrte zun\u00e4chst aus, dass es der Auffassung der Beklagten jeglicher Grundlage fehle. Sie st\u00fctze sich auf eine Einzelmeinung in der Literatur, die vom OGH nicht geteilt werde.<\/p>\n<p>Wie bereits <a href=\"https:\/\/media-law.at\/?p=2903\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in einer fr\u00fcheren Entscheidung<\/a> ausgef\u00fchrt, geht der OGH von einem <strong>Nebeneinander<\/strong> zwischen \u00a7\u00a077 <strong>UrhG und den datenschutzrechtlichen Bestimmungen<\/strong> aus. F\u00fcr die Bestimmung des \u00a7\u00a078 UrhG kann nichts anderes gelten. F\u00fcr die <strong>parallele Anwendung des \u00a7\u00a078 UrhG und der DSGVO<\/strong> spricht, dass \u00a7\u00a078 UrhG prim\u00e4r pers\u00f6nlichkeitsrechtliche und nicht datenschutzrechtliche Aspekte regelt. Die Bestimmungen haben unterschiedliche Regelungsbereiche, verfolgen verschiedene Zwecke und sehen demgem\u00e4\u00df unterschiedliche Anspr\u00fcche vor. Auch die \u00fcberwiegende Lehre vertritt eine parallele Anwendbarkeit. So wird argumentiert, dass \u00a7\u00a078 UrhG eine <strong>Spezialnorm<\/strong> im Verh\u00e4ltnis zu den datenschutzrechtlichen Bestimmungen ist.<\/p>\n<p>Der Vorrang des Europarechts bedeute nicht, dass nationales Recht gegenstandslos werde. Entscheidend f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zwischen \u00a7\u00a078 UrhG und DSGVO sei der Anwendungsbereich der Letzteren. Au\u00dferhalb einer in Art\u00a085 DSGVO erw\u00e4hnten Nutzungsform (zB journalistische Nutzung) habe daher das allgemeine Datenschutzrecht Vorrang; umgekehrt bleibe es jedenfalls <strong>im Bereich der journalistischen Nutzung bei einer Anwendung des \u00a7\u00a078 UrhG<\/strong>.<\/p>\n<p>Der OGH hielt es f\u00fcr nicht nachvollziehbar, weshalb das Medienprivileg (Art 85 DSGVO, \u00a7 9 DSG) in der geltenden Fassung nunmehr pers\u00f6nlichkeitsrechtlichen Bestimmungen derogieren soll. Aus Gesetzesmaterialen l\u00e4sst sich schlie\u00dfen, dass der Gesetzgeber nicht von einer Derogation nationaler pers\u00f6nlichkeitsrechtlicher Schutzbestimmungen durch die DSGVO ausgeht.<\/p>\n<p>Eine materielle Derogation des \u00a7\u00a078 UrhG durch die DSGVO ist im \u00dcbrigen auf Basis der innerstaatlichen Rechtslage schon deshalb nicht m\u00f6glich, weil \u00a7\u00a09 Abs\u00a01 DSG wesentliche Teile der DSGVO im Bereich des Journalismus f\u00fcr unanwendbar erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Der OGH beanstandete die von den Vorinstanzen vorgenommene Interessenabw\u00e4gung daher nicht, zumal die Fotos der Kl\u00e4gerin von der Beklagten eindeutig lediglich zu Werbezwecken f\u00fcr das Gewinnspiel verwendet wurden. Schutzw\u00fcrdige Interessen der Beklagten, die h\u00f6her als das Pers\u00f6nlichkeitsrecht der Kl\u00e4gerin einzustufen w\u00e4ren, konnte der OGH nicht erblicken.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen w\u00fcrde sich auch bei Anwendung der DSGVO keine abweichende Beurteilung ergeben. Die Voraussetzungen, unter denen eine Verarbeitung als rechtm\u00e4\u00dfig angesehen werden kann, sind in Art\u00a06 Abs\u00a01 DSGVO geregelt. Darunter f\u00e4llt auch der Fall, dass die Verarbeitung zur Wahrung der berechtigten Interessen des Verantwortlichen oder eines Dritten erforderlich ist, sofern nicht die Interessen oder Grundrechte und Grundfreiheiten der betroffenen Person, die den Schutz personenbezogener Daten erfordern, \u00fcberwiegen.<\/p>\n<p>Bei Verwendung eines Bildes f\u00fcr Werbezwecke ohne Zustimmung des Abgebildeten wird daher auch bei einer <strong>Interessenabw\u00e4gung nach Art\u00a06 Abs\u00a01 lit\u00a0f DSGVO<\/strong> das <strong>Interesse des Abgebildeten auch im Anwendungsbereich der DSGVO regelm\u00e4\u00dfig h\u00f6her zu bewerten sein als das des Verwenders des Bildes<\/strong>.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 29.8.2019, 6 Ob 152\/19z &nbsp; Sachverhalt: Die Medieninhaberin einer \u00f6sterreichischen Tageszeitung ver\u00f6ffentlichte ein Foto der Kl\u00e4gerin, um ein Gewinnspiel zu bewerben. Die Kl\u00e4gerin st\u00fctzt ihre Klage und ihren Antrag auf Erlassung einer einstweiligen Verf\u00fcgung prim\u00e4r auf \u00a7\u00a078 UrhG und auf \u00a7\u00a01041 ABGB. Die Beklagte wendet im Wesentlichen ein, dass der Bestimmung des \u00a7\u00a078 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[18,12,15],"tags":[2027,2028,84,835,1529,148,686,2026,1194,2024,307,2025,357,427,2030,1274,2029],"class_list":["post-3023","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-datenschutzrecht","category-medienrecht","category-persoenlichkeitsrechte","tag-art-6-abs-1-dsgvo","tag-art-85-dsgvo","tag-bildnisschutz","tag-datenschutzrecht-2","tag-dsgvo","tag-foto","tag-interessenabwaegung","tag-journalistischen-nutzung","tag-lichtbild","tag-medienprivileg","tag-recht-am-eigenen-bild","tag-spezialnorm","tag-tageszeitung","tag-werbezwecke","tag-zeitung","tag--78-urhg","tag--9-dsg"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3023","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3023"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3023\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3027,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3023\/revisions\/3027"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3023"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3023"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3023"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}