{"id":288,"date":"2013-04-11T15:10:00","date_gmt":"2013-04-11T15:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/lawbulletin.wordpress.com\/?p=140"},"modified":"2013-04-11T15:10:00","modified_gmt":"2013-04-11T15:10:00","slug":"identitatsschutz-vs-offentliches-interesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=288","title":{"rendered":"Identit\u00e4tsschutz vs. \u00f6ffentliches Interesse"},"content":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung: OGH 12. 12. 2012, 15 Os 42\/12h <\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong> In einem lokalen Massenmedium wurde der Verdacht des &#8211; insbesondere im Zusammenhang mit Auftragsvergaben begangenen &#8211; Verbrechens der Untreue gegen eine Person gerichtet, n\u00e4mlich der Vorstandsdirektorin der Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft, einer \u201esehr gro\u00dfen\u201c Anstalt \u00f6ffentlichen Rechts.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><br \/>\nLaut OGH war das Handeln der berichtsgegenst\u00e4ndlichen Person von vornherein <strong><strong>erh\u00f6hter Aufmerksamkeit und Kritik <\/strong><\/strong>unterworfen. Ein \u00fcberwiegendes \u00f6ffentliches Interesse an der <strong>Ver\u00f6ffentlichung von Identifikationsmerkmalen <\/strong>der Antragstellerin habe wegen des Bestehens eines \u201esonstigen Zusammenhangs mit dem \u00f6ffentlichen Leben\u201c vorgelegen. Bei einer Berichterstattung \u00fcber Fragen von \u00f6ffentlichem Interesse w\u00fcrde es nur wenig Spielraum f\u00fcr Einschr\u00e4nkungen der politischen Rede oder von Diskussionen \u00fcber solche Angelegenheiten geben. Darunter fallen regelm\u00e4\u00dfig zB die Berichterstattung \u00fcber strafrechtlich relevante Missst\u00e4nde in der staatlichen Verwaltung, mutma\u00dfliche Wirtschaftsskandale und politische Delikte. Bei solchen Sachverhalten mit <strong>\u00d6ffentlichkeitsbezug <\/strong>bestehe demgem\u00e4\u00df auch ein <strong>geringerer Identit\u00e4tsschutz<\/strong>.<\/p>\n<p>Wenn die Offenlegung der Identit\u00e4t einer Person infolge Bejahung \u00fcberwiegenden Interesses der \u00d6ffentlichkeit an der Ver\u00f6ffentlichung eines einzelnen identifizierenden Merkmals gerechtfertigt ist (hier: der f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Einzelheiten des Falls erforderlichen Bekanntgabe der exponierten beruflichen Stellung), \u00e4ndert auch eine per se entbehrliche Publikation weiterer Identifikationsmerkmale (hier: Namen und Bild) nichts daran, dass die Bekanntgabe der Identit\u00e4t insgesamt <strong>gerechtfertigt <\/strong>war.<\/p>\n<p>Weil durch die inkriminierte Berichterstattung strafrechtlich relevante Missst\u00e4nde bzw Korruptionsvorw\u00fcrfe im Nahebereich der staatlichen Verwaltung aufgezeigt wurden, stehe im vorliegenden Fall au\u00dfer Streit, dass der Artikel ein Thema von \u00f6ffentlichem Interesse zum Gegenstand hatte.<\/p>\n<p>Die Nennung von Identifikationsmerkmalen einer Verd\u00e4chtigen k\u00f6nne zwar in einem &#8211; wie hier &#8211; sehr fr\u00fchen Stadium des Strafverfahrens problematisch sein kann, doch sei im gegebenen Zusammenhang ausschlaggebend, dass die Antragsgegnerin in concreto nicht \u00fcber die vorliegende Anzeige in sinnvoller Weise h\u00e4tte berichten k\u00f6nnen, ohne die Antragstellerin identifizierende Angaben zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung: OGH 12. 12. 2012, 15 Os 42\/12h Sachverhalt: In einem lokalen Massenmedium wurde der Verdacht des &#8211; insbesondere im Zusammenhang mit Auftragsvergaben begangenen &#8211; Verbrechens der Untreue gegen eine Person gerichtet, n\u00e4mlich der Vorstandsdirektorin der Krankenanstalten-Betriebsgesellschaft, einer \u201esehr gro\u00dfen\u201c Anstalt \u00f6ffentlichen Rechts. 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