{"id":287,"date":"2013-04-11T14:53:17","date_gmt":"2013-04-11T14:53:17","guid":{"rendered":"http:\/\/lawbulletin.wordpress.com\/?p=137"},"modified":"2013-04-11T14:53:17","modified_gmt":"2013-04-11T14:53:17","slug":"orf-rundmail-an-redakteure-freiheit-der-journalistischen-berufsausubung-verletzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=287","title":{"rendered":"ORF-Rundmail an Redakteure: Freiheit der journalistischen Berufsaus\u00fcbung verletzt?"},"content":{"rendered":"<p>VfGH-Entscheidung: VfGH 14. 3. 2013, B 518\/12<\/p>\n<p><strong><strong>Sachverhalt: <\/strong><\/strong>Ein stellvertretende Chefredakteur, der die Funktion \u201eChef vom Dienst\u201c aus\u00fcbte, richtete an die journalistischen Mitarbeiter des ORF-Landesstudios folgende Rundmail: <em>\u201eIm Zusammenhang mit dem Attent\u00e4ter von Norwegen ist jetzt in den Agenturmeldungen die Formulierung aufgetaucht, es handle sich vermutlich um einen Rechtsextremisten und &#8218;christlichen Fundamentalisten&#8216;. Das Wort &#8218;christlich&#8216; und den Mord an mehr als 90 Menschen in einem Atemzug zu nennen &#8211; da empfinden wohl die meisten einen deutlichen Widerspruch. Hier sollten wir bei der Formulierung besonders sensibel vorgehen, diesen \u00e4u\u00dferst unchristlich agierenden Mann eventuell als &#8218;religi\u00f6sen Fanatiker&#8216; bezeichnen oder uns va auf die \u00fcberwiegend verwendete Einordnung als &#8218;Rechtsextremisten&#8216; beschr\u00e4nken. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Entscheidung: <\/strong>Die Kommunikationsbeh\u00f6rde Austria (KommAustria) stellte in ihrem Bescheid zun\u00e4chst fest, dass der ORF durch dieses Rundmail die durch \u00a7 32 Abs 1 ORF-G gew\u00e4hrleistete Freiheit der journalistischen Berufsaus\u00fcbung verletzt habe. <\/p>\n<p>Zu einer anderen Entscheidung gelangte jedoch der VfGH, der aussprach, dass der ORF durch den angefochtenen Bescheid im verfassungsgesetzlich gew\u00e4hrleisteten Recht auf Meinungs\u00e4u\u00dferungs- und Rundfunkfreiheit verletzt worden ist. In seiner Begr\u00fcndung hielt der VfGH fest, dass der E-Mail-Verfasser auf Grundlage der Annahme einer unsicheren Tatsachenlage eine Empfehlung abgegeben hat und der ORF es in seiner Berufung nachvollziehbar dargetan hat, weshalb es angebracht gewesen sei, die betreffende Formulierung zu hinterfragen, und dabei ua angef\u00fchrt, dass die Quellenlage f\u00fcr die Formulierung unklar gewesen sei.<\/p>\n<p>Der VfGH kam zum Ergebnis, dass die Komm Austria bei verfassungskonformem Verst\u00e4ndnis des \u00a7 32 Abs 1 ORF-G nicht davon ausgehen konnte, dass die Aufforderung durch den f\u00fcr die Sendung verantwortlichen Redakteur, eine bestimmte Formulierung nicht zu verwenden, die Freiheit der journalistischen Mitarbeiter in einem Ausma\u00df beeintr\u00e4chtigt h\u00e4tte, das die Feststellung einer Verletzung des ORF-G rechtfertigen w\u00fcrde. Die Verletzung des \u00a7 32 Abs 1 ORF-G bedeute unter diesen Umst\u00e4nden eine Verletzung des Art 10 EMRK iVm dem Art I Abs 2 BVG Rundfunk (Recht auf Meinungs\u00e4u\u00dferungs- und Rundfunkfreiheit ).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>VfGH-Entscheidung: VfGH 14. 3. 2013, B 518\/12 Sachverhalt: Ein stellvertretende Chefredakteur, der die Funktion \u201eChef vom Dienst\u201c aus\u00fcbte, richtete an die journalistischen Mitarbeiter des ORF-Landesstudios folgende Rundmail: \u201eIm Zusammenhang mit dem Attent\u00e4ter von Norwegen ist jetzt in den Agenturmeldungen die Formulierung aufgetaucht, es handle sich vermutlich um einen Rechtsextremisten und &#8218;christlichen Fundamentalisten&#8216;. 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