{"id":2798,"date":"2019-03-20T11:04:10","date_gmt":"2019-03-20T11:04:10","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=2798"},"modified":"2019-03-20T11:12:24","modified_gmt":"2019-03-20T11:12:24","slug":"vergleich-von-spezialisiert-taetigen-rechtsanwaelten-mit-fachaerzten-kann-irrefuehrend-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=2798","title":{"rendered":"Vergleich von spezialisiert t\u00e4tigen Rechtsanw\u00e4lten mit Fach\u00e4rzten kann irref\u00fchrend sein"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;3.19.3&#8243;][et_pb_row _builder_version=&#8220;3.19.3&#8243;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;3.19.3&#8243; parallax=&#8220;off&#8220; parallax_method=&#8220;on&#8220;][et_pb_text _builder_version=&#8220;3.19.3&#8243;]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">OGH-Entscheidung vom 29.1.2019, 4 Ob 242\/18v<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Rechtsanwaltskammer Ober\u00f6sterreich klagte einen Rechtsanwalt, der insbesondere als Strafverteidiger auftritt. Im Juni 2018 wurde in einer Tageszeitung ein Artikel zum Thema \u201eVerfahrenshilfe\u201c ver\u00f6ffentlicht, wo der beklagte Rechtsanwalt mit folgender Aussage zitiert wurde: \u201e<em>Da soll dann pl\u00f6tzlich ein Spezialist f\u00fcr Wirtschaftsrecht als Strafverteidiger agieren. Das w\u00e4re in etwa so, als m\u00fcsste ein Zahnarzt eine Augenoperation vornehmen.<\/em>\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Kl\u00e4gerin beantragte, dem Beklagten mit einstweiliger Verf\u00fcgung die gesch\u00e4ftliche Aussage zu verbieten, nicht auf Strafverteidigung spezialisierte Rechtsanw\u00e4lte k\u00f6nnten Mandanten in einem Strafverfahren nicht ordentlich vertreten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Vorinstanzen gaben dem Sicherungsbegehren statt. Der OGH wies den Revisionsrekurs des Beklagten mangels erheblicher Rechtsfrage zur\u00fcck. Aus der Begr\u00fcndung:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Welchen Eindruck eine Aussage dem Leser vermittelt, ist danach zu pr\u00fcfen, wie sie ein durchschnittlich informierter und verst\u00e4ndiger Adressat bei Aufwendung einer dem Anlass angemessenen Aufmerksamkeit verstehen musste. Der Beklagte habe mit der beanstandeten Aussage gegen\u00fcber dem Leserpublikum den <strong>Eindruck vermittelt, nicht auf Strafrecht spezialisierte Rechtsanw\u00e4lte k\u00f6nnten einen Mandanten in einem Strafverfahren nicht sachgerecht vertreten<\/strong>. Diese Aussage sei im Kern auf eine <strong>irref\u00fchrende Behauptung<\/strong> zur\u00fcckzuf\u00fchren, zumal <strong>in \u00d6sterreich kein System der Fachanw\u00e4lte<\/strong> etabliert sei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">OGH und Vorinstanzen erkannten zwar an, dass sich der Beklagte an einer <strong>\u00f6ffentlichen Debatte<\/strong> beteiligt hat. Es wurde jedoch angenommen, dass mit der Aussage des Beklagten die <strong>F\u00f6rderung des Wettbewerbs einer besonderen Berufsgruppe<\/strong> (hier jene der Strafverteidiger) und damit des eigenen Wettbewerbs des Beklagten gef\u00f6rdert werden sollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die im Hinblick auf <strong>Art\u00a010 EMRK vorzunehmenden Interessenabw\u00e4gung<\/strong> ergab, dass irref\u00fchrende Behauptungen oder pauschalierende Abwertungen nicht durch die Freiheit der Meinungs\u00e4u\u00dferung gedeckt sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beanstandete Aussage des Beklagten sei zur <strong>sp\u00fcrbaren Beeinflussung des Wettbewerbs geeignet<\/strong>, weil sie potenzielle Klienten zur Beauftragung eines auf Strafrecht spezialisierten Rechtsanwalts oder sogar des Beklagten, der im beanstandeten Artikel als \u201e<em>Staranwalt<\/em>\u201c bezeichnet wird, veranlassen k\u00f6nnte. Der OGH schloss sich dieser Auffassung der Vorinstanz an.<\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 29.1.2019, 4 Ob 242\/18v Sachverhalt: Die Rechtsanwaltskammer Ober\u00f6sterreich klagte einen Rechtsanwalt, der insbesondere als Strafverteidiger auftritt. Im Juni 2018 wurde in einer Tageszeitung ein Artikel zum Thema \u201eVerfahrenshilfe\u201c ver\u00f6ffentlicht, wo der beklagte Rechtsanwalt mit folgender Aussage zitiert wurde: \u201eDa soll dann pl\u00f6tzlich ein Spezialist f\u00fcr Wirtschaftsrecht als Strafverteidiger agieren. 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