{"id":2556,"date":"2018-11-23T10:05:47","date_gmt":"2018-11-23T10:05:47","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=2556"},"modified":"2018-11-23T10:05:47","modified_gmt":"2018-11-23T10:05:47","slug":"kann-der-geschmack-von-lebensmitteln-urheberrechtlich-geschuetzt-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=2556","title":{"rendered":"Kann der Geschmack von Lebensmitteln urheberrechtlich gesch\u00fctzt sein?"},"content":{"rendered":"<p>EuGH-Urteil vom 13.11.2018, Rechtssache C\u2011310\/17<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Der \u201e<em>Heksenkaas<\/em>\u201c ist ein im Jahr 2007 von einem niederl\u00e4ndischen Gem\u00fcse- und Frischprodukteh\u00e4ndler kreierter Streichk\u00e4se mit Cr\u00e8me fra\u00eeche und Kr\u00e4utern. Im Jahr 2012 wurde f\u00fcr das Verfahren zur Herstellung von Heksenkaas ein Patent erteil.<\/p>\n<p>Seit 2014 stellt die Beklagte ein \u00e4hnliches Erzeugnis mit der Bezeichnung \u201eWitte Wievenkaas\u201c f\u00fcr eine Supermarktkette in den Niederlanden her.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin war der Ansicht, dass die Herstellung und der Verkauf von Witte Wievenkaas ihre Urheberrechte am \u201eGeschmack\u201c des Heksenkaas verletze und klagte auf Unterlassung.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Der EuGH hielt zun\u00e4chst fest, dass der Geschmack eines Lebensmittels nur dann durch das Urheberrecht gem\u00e4\u00df der Richtlinie 2001\/29 gesch\u00fctzt sein kann, wenn ein solcher Geschmack als <strong>\u201eWerk\u201c<\/strong> iSd Urheberrechts eingestuft werden kann. F\u00fcr eine Einstufung eines Objekts als \u201eWerk\u201c im Sinne der Richtlinie m\u00fcssen zwei kumulative Voraussetzungen erf\u00fcllt sein:<\/p>\n<ul>\n<li>Zum einen muss es sich bei dem betreffenden Objekt um ein <strong>Original<\/strong> in dem Sinne handeln, dass es eine <strong>eigene geistige Sch\u00f6pfung seines Urhebers<\/strong> darstellt.<\/li>\n<li>Zum anderen ist die Einstufung als \u201eWerk\u201c im Sinne der Richtlinie <strong>Elementen<\/strong> vorbehalten, die eine solche <strong>geistige Sch\u00f6pfung zum Ausdruck<\/strong> bringen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Begriff \u201eWerk\u201c impliziert eine Ausdrucksform des urheberrechtlichen Schutzobjekts, die es mit <strong>hinreichender Genauigkeit und Objektivit\u00e4t identifizierbar<\/strong> werden l\u00e4sst, auch wenn diese Ausdrucksform nicht notwendigerweise dauerhaft sein sollte. Zum einen m\u00fcssen n\u00e4mlich die Beh\u00f6rden, die mit dem Schutz der dem Urheberrecht innewohnenden Ausschlie\u00dflichkeitsrechte betraut sind, die so gesch\u00fctzten <strong>Objekte klar und genau erkennen<\/strong> k\u00f6nnen. Dasselbe gilt f\u00fcr Privatpersonen, insbesondere Wirtschaftsteilnehmer, die mit Klarheit und Genauigkeit die Objekte identifizieren k\u00f6nnen m\u00fcssen, die zugunsten von Dritten, insbesondere Wettbewerbern, gesch\u00fctzt sind. Zum anderen impliziert das Erfordernis des Ausschlusses jedes \u2013 der Rechtssicherheit sch\u00e4dlichen \u2013 subjektiven Elements bei der Identifizierung des gesch\u00fctzten Objekts, dass dieses Gegenstand eines pr\u00e4zisen und objektiven Ausdrucks sein kann.<\/p>\n<p>An der M\u00f6glichkeit einer pr\u00e4zisen und objektiven Identifizierung <strong>fehlt es aber im Fall des Geschmacks eines Lebensmittels<\/strong>. Im Unterschied zu beispielsweise einem literarischen, bildnerischen, filmischen oder musikalischen Werk, das eine pr\u00e4zise und objektive Ausdrucksform darstellt, beruht die Identifizierung des Geschmacks eines Lebensmittels n\u00e4mlich im Wesentlichen auf <strong>Geschmacksempfindungen und -erfahrungen, die subjektiv und ver\u00e4nderlich sind<\/strong>, da sie u.\u00a0a. von Faktoren, die mit der Person verbunden sind, die das betreffende Erzeugnis kostet, wie beispielsweise deren Alter, Ern\u00e4hrungsvorlieben und Konsumgewohnheiten, sowie von der Umwelt oder dem Kontext, in dem dieses Erzeugnis gekostet wird, abh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Zudem ist beim gegenw\u00e4rtigen Stand der Wissenschaft eine genaue und objektive Identifizierung des Geschmacks eines Lebensmittels, die es erlaubt, ihn vom Geschmack anderer gleichartiger Erzeugnisse zu unterscheiden, <strong>mit technischen Mitteln nicht m\u00f6glich<\/strong>.<\/p>\n<p>Schlussendlich kam der EuGH daher zu dem Ergebnis, dass der <strong>Geschmack eines Lebensmittels <em>kein<\/em> urheberrechtlich gesch\u00fctztes \u201eWerk\u201c<\/strong> ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EuGH-Urteil vom 13.11.2018, Rechtssache C\u2011310\/17 Sachverhalt: Der \u201eHeksenkaas\u201c ist ein im Jahr 2007 von einem niederl\u00e4ndischen Gem\u00fcse- und Frischprodukteh\u00e4ndler kreierter Streichk\u00e4se mit Cr\u00e8me fra\u00eeche und Kr\u00e4utern. 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