{"id":2101,"date":"2016-10-25T15:40:27","date_gmt":"2016-10-25T15:40:27","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=2101"},"modified":"2016-10-25T15:40:27","modified_gmt":"2016-10-25T15:40:27","slug":"eugh-dynamische-ip-adressen-koennen-personenbezogene-daten-sein-duerfen-bei-berechtigtem-interesse-gespeichert-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=2101","title":{"rendered":"EuGH: Dynamische IP-Adressen k\u00f6nnen personenbezogene Daten sein; d\u00fcrfen bei berechtigtem Interesse gespeichert werden"},"content":{"rendered":"<p>EuGH-Urteil vom 19.10.2016, <span id=\"pagePrincipale\">Rechtssache C\u2011582\/14<\/span><\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Ein Mitglied der deutschen Piratenpartei, Patrick Breyer, <span id=\"pagePrincipale\">rief mehrere Websites von Einrichtungen des deutschen Bundes ab. Auf diesen allgemein zug\u00e4nglichen Websites stellen die genannten Einrichtungen aktuelle Informationen bereit.<\/span> <span id=\"pagePrincipale\">Um Angriffe abzuwehren und die strafrechtliche Verfolgung von Angreifern zu erm\u00f6glichen, werden bei den meisten dieser Websites alle <strong>Zugriffe in Protokolldateien festgehalten<\/strong>. Darin werden nach dem Abruf der Website der Name der abgerufenen Seite bzw. Datei, in Suchfelder eingegebene Begriffe, der Zeitpunkt des Abrufs, die \u00fcbertragene Datenmenge, die Meldung, ob der Abruf erfolgreich war, und die IP-Adresse des zugreifenden Computers gespeichert.<\/span><\/p>\n<p><span id=\"pagePrincipale\">Computern von Internetnutzer wird entweder eine \u201estatische\u201c IP-Adresse zugewiesen oder eine \u201edynamische\u201c IP-Adresse, d.\u00a0h. eine IP-Adresse, die sich bei jeder neuen Internetverbindung \u00e4ndert. Anders als statische IP-Adressen erlauben dynamische IP-Adressen es nicht, anhand allgemein zug\u00e4nglicher Dateien eine Verbindung zwischen einem Computer und dem vom Internetzugangsanbieter verwendeten physischen Netzanschluss herzustellen<\/span>.<\/p>\n<p><span id=\"pagePrincipale\">Herr Breyer klagte die <\/span><span id=\"pagePrincipale\">Bundesrepublik Deutschland. Es sollte ihr untersagt werden, seine IP-Adresse \u00fcber das Ende des Zugriffs auf allgemein zug\u00e4ngliche Websites f\u00fcr Online-Mediendienste der Einrichtungen des Bundes hinaus zu speichern oder durch Dritte speichern zu lassen, soweit die Speicherung nicht im St\u00f6rungsfall zur Wiederherstellung der Verf\u00fcgbarkeit des Telemediums erforderlich ist.<\/span><\/p>\n<p>Der BGH legte dem EuGH (zusammengefasst) die Fragen zur Vorabentscheidung vor, ob es sich bei dynamischen IP-Adressen um personenbezogene Daten handelt und ob ein nationales Gesetz (deutsches Telemediengesetz) dem Unionsrecht entgegensteht, wenn es vorsieht, dass IP-Adressen nur zu Abrechnungszwecken von Seitenbetreibern gespeichert werden d\u00fcrfen oder wenn Nutzer ihre Einwilligung gegeben haben.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Der EuGH hielt zun\u00e4chst fest, dass<span id=\"pagePrincipale\"> eine dynamische IP-Adresse unstreitig keine Information darstellt, die sich auf eine \u201ebestimmte nat\u00fcrliche Person\u201c bezieht, da sich aus ihr unmittelbar weder die Identit\u00e4t der nat\u00fcrlichen Person ergibt, der der Computer geh\u00f6rt, von dem aus eine Website abgerufen wird, noch die Identit\u00e4t einer anderen Person, die diesen Computer benutzen k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p>Wenn jedoch <span id=\"pagePrincipale\"> <\/span><span id=\"pagePrincipale\">dem Internetzugangsanbieter die <\/span><span id=\"pagePrincipale\"><strong>erforderlichen Zusatzinformationen des Nutzers vorliegen um ihn zu identifizieren<\/strong>, dann kann die von einem Anbieter von Online-Mediendiensten gespeicherte <strong>dynamische IP-Adresse ein personenbezogenes Datum<\/strong> im Sinne von Art.\u00a02 Buchst.\u00a0a der Richtlinie 95\/46 darstellen.<\/span><\/p>\n<p>Betreffend deutsches Telemediengesetz wies der EuGH darauf hin, <span id=\"pagePrincipale\">dass Art.\u00a07 Buchst.\u00a0f der Richtlinie 95\/46 einen Mitgliedstaat daran hindert, kategorisch und ganz allgemein die Verarbeitung bestimmter Kategorien personenbezogener Daten auszuschlie\u00dfen, ohne<strong> Raum f\u00fcr eine Abw\u00e4gung<\/strong> der im konkreten Einzelfall einander gegen\u00fcberstehenden Rechte und Interessen zu lassen. Ein Mitgliedstaat kann daher f\u00fcr diese Kategorien das Ergebnis der Abw\u00e4gung der einander gegen\u00fcberstehenden Rechte und Interessen nicht abschlie\u00dfend vorschreiben, ohne Raum f\u00fcr ein Ergebnis zu lassen, das aufgrund besonderer Umst\u00e4nde des Einzelfalls anders ausf\u00e4llt. <\/span>Das deutsche Telemediengesetz (konkret \u00a7 15 dTMG) steht somit der genannten Richtlinie entgegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EuGH-Urteil vom 19.10.2016, Rechtssache C\u2011582\/14 Sachverhalt: Ein Mitglied der deutschen Piratenpartei, Patrick Breyer, rief mehrere Websites von Einrichtungen des deutschen Bundes ab. Auf diesen allgemein zug\u00e4nglichen Websites stellen die genannten Einrichtungen aktuelle Informationen bereit. 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