{"id":1687,"date":"2015-03-09T10:55:54","date_gmt":"2015-03-09T10:55:54","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=1687"},"modified":"2015-07-31T10:02:30","modified_gmt":"2015-07-31T10:02:30","slug":"ogh-zur-einhaltung-des-objektivitaetsgebots-bei-vergleichender-werbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=1687","title":{"rendered":"OGH zur Einhaltung des Objektivit\u00e4tsgebots bei vergleichender Werbung"},"content":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 16.12.2014,\u00a0<script src=\"\/5B3066FDE692463BB604991D5CBDA45D\/9A535ABB-45E1-9041-946F-099A5314E0B5\/main.js\" type=\"text\/javascript\" charset=\"UTF-8\"><\/script><script src=\"\/res\/Remotion.Web\/Html\/ExecutionEngine.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script><script src=\"\/Html\/BasePage.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script><script src=\"\/res\/Remotion.Web\/Html\/SmartNavigation.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script><script src=\"\/res\/Remotion.Web\/Html\/Utilities.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script><script src=\"\/res\/Remotion.Web\/Html\/SmartPage.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script><script src=\"\/res\/Remotion.ObjectBinding.Web\/Html\/TextBoxStyle.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script><script src=\"\/Html\/Global.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script><script src=\"\/Html\/jquery-1.6.4.min.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script><script src=\"\/Html\/jquery-ui-1.8.17.custom.min.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script><script src=\"\/Html\/LinkMarkup.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script>4 Ob 209\/14k<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Die Medieninhaberin der Gratis-Tageszeitung &#8222;Heute&#8220; ver\u00f6ffentlichte in der Zeitschrift &#8222;Extradienst&#8220; folgende Anzeige:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/guterjournalismus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1688 size-medium\" src=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/guterjournalismus-242x300.jpg\" alt=\"guterjournalismus\" width=\"242\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/guterjournalismus-242x300.jpg 242w, https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/guterjournalismus.jpg 316w\" sizes=\"auto, (max-width: 242px) 100vw, 242px\" \/><\/a><\/p>\n<p><script src=\"\/5B3066FDE692463BB604991D5CBDA45D\/9A535ABB-45E1-9041-946F-099A5314E0B5\/main.js\" type=\"text\/javascript\" charset=\"UTF-8\"><\/script><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zeitschrift &#8222;Extradienst&#8220; richtet sich als Fachzeitschrift an Werbeagenturen, Werbeabteilungen, Marketingleiter und Media-Planer; die\u00a0Auflage betr\u00e4gt 12.014\u00a0St\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Medieninhaberin der Tageszeitung &#8222;\u00d6sterreich&#8220; klagte daraufhin und brachte einen Antrag auf Erlassung einer einstweiligen Verf\u00fcgung ein, wonach es der Beklagten verboten werden solle,\u00a0sie im gesch\u00e4ftlichen Verkehr durch die Anzeige oder in sinngleicher Form <strong>herabzusetzen<\/strong>. Die Beklagte suggeriere, dass &#8222;\u00d6sterreich&#8220; im Vergleich zu &#8222;Heute&#8220; aufgrund seines schlechten Journalismus ein Ladenh\u00fcter sei. Die in Wettbewerbsabsicht erfolgte Einschaltung sei daher unlauter im Sinne des \u00a7 1 UWG, da es sich um eine pauschale Herabsetzung ohne jegliche Sach- oder Produktinformation handle.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Das Erstgericht wies den Sicherungsantrag ab. Das Rekursgericht erlie\u00df wiederum die EV. Die Beklagte erhob dagegen au\u00dferordentlichen Revisionsrekurs, den der OGH f\u00fcr unberechtigt befand. Aus der Begr\u00fcndung:<\/p>\n<p>Bei der beanstandeten Anzeige handelt es sich um <strong>vergleichende Werbung iSv \u00a7\u00a02a UWG<\/strong>. Unter den\u00a0Begriff der &#8222;vergleichenden Werbung&#8220; f\u00e4llt nach Art\u00a02 lit\u00a0c RL 2006\/114\/EG jede Werbung, &#8222;<em>die unmittelbar oder mittelbar einen Mitbewerber oder die Erzeugnisse oder Dienstleistungen, die von einem Mitbewerber angeboten werden, erkennbar macht<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>Bei der hier beanstandeten Werbung trifft das zu. Die Beklagte stellt ihre Zeitung in zweifacher Weise in Bezug zu jener der Kl\u00e4gerin. Zun\u00e4chst ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Wort und Bild, dass die <strong>Beklagte den besseren Journalismus<\/strong> biete. Denn &#8222;guter&#8220; Journalismus steht danach &#8222;weder rechts noch links&#8220;, sondern in der Mitte; diese Positionen sind nach der Grafik aber eindeutig den beiden Zeitungen zugeordnet. Weiters l\u00e4sst sich der Anzeige die Behauptung entnehmen, dass die<strong> Zeitung der Beklagten st\u00e4rker nachgefragt<\/strong> werde als jene der Kl\u00e4gerin. Denn ihre Verteilerbox ist leer, w\u00e4hrend die beiden Boxen der Kl\u00e4gerin noch gut gef\u00fcllt sind.<\/p>\n<p>Dieser Werbevergleich erf\u00fcllt nicht die Bedingungen des Art\u00a04 RL 2006\/114\/EG und verst\u00f6\u00dft daher gegen \u00a7\u00a02a UWG.\u00a0Vergleichende Werbung ist <strong>nur zul\u00e4ssig, wenn sie einen objektiven Vergleich<\/strong> der Eigenschaften von Waren und Dienstleistungen sicherstellt, weshalb\u00a0<strong>nur <span class=\"Kursiv\">wesentliche, relevante, nachpr\u00fcfbare und typische Eigenschaften<\/span><\/strong> verglichen werden d\u00fcrfen und dieser Vergleich <span class=\"Kursiv\">objektiv<\/span> zu erfolgen hat. Damit sind Vergleiche ausgeschlossen, die sich allein aus einer subjektiven Wertung ihres Urhebers ergeben.<\/p>\n<p>Im konkreten Fall w\u00e4re\u00a0die beanstandete Werbung unproblematisch gewesen, wenn\u00a0sie sich alleine auf den unterschiedlichen wirtschaftlichen Erfolg der beiden Zeitungen bezogen h\u00e4tte, denn die <strong>Nachfrage nach einer Zeitung ist eine nachpr\u00fcfbare Eigenschaft<\/strong>; sie wird durch die verbreitete <strong>Auflage<\/strong> und die <strong>Reichweite<\/strong> konkretisiert. Die Relevanz dieser Eigenschaft liegt f\u00fcr die im konkreten Fall angesprochene Werbebranche auf der Hand.\u00a0Die angesprochenen Kreise sehen darin einen Hinweis auf die <strong>(unstrittig) h\u00f6here Reichweite der Zeitung der Beklagten<\/strong> und wohl auch eine subtile Anspielung auf den\u00a0&#8211;\u00a0in den angesprochenen Kreisen zweifellos bekannten\u00a0&#8211;\u00a0Versuch der Kl\u00e4gerin, einen wirtschaftlichen Erfolg allein aus der H\u00f6he der Druckauflage abzuleiten.<\/p>\n<p>H\u00e4tte die Werbung daher lediglich\u00a0&#8211;\u00a0wenn auch in ironischer Form &#8211; die h\u00f6here Nachfrage nach der Zeitung der Beklagten herausgestellt, w\u00e4re sie unbedenklich gewesen.\u00a0Anders verh\u00e4lt es sich aber mit der (impliziten) Behauptung, die Zeitung der Beklagten biete &#8222;besseren Journalismus&#8220; als jene der Kl\u00e4gerin. Eine solche Werbung steht\u00a0gerade wegen der fehlenden \u00dcberpr\u00fcfbarkeit in unl\u00f6sbarem Widerspruch zum <strong>Objektivit\u00e4tsgebot<\/strong> des Art\u00a04 lit\u00a0c RL\u00a02006\/114\/EG.\u00a0Eine solche Werbung wird <strong>unzul\u00e4ssig<\/strong>, wenn sie einen Bezug zu einem oder mehreren genanten oder erkennbaren Mitbewerbern herstellt, dem oder denen ausdr\u00fccklich oder implizit ein<strong> &#8222;schlechterer&#8220; Journalismus unterstellt<\/strong> wird.<\/p>\n<p>Das strenge Objektivit\u00e4tsgebot des Art\u00a04 lit\u00a0c RL\u00a02006\/114\/EG steht zwar in einem gewissen Spannungsverh\u00e4ltnis zum <strong>Grundrecht der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung<\/strong> iSv Art\u00a010 EMRK und Art\u00a011 GRC, das auch die kommerzielle Kommunikation sch\u00fctzt, allerdings ist nach der Rechtsprechung des EGMR im Lauterkeitsrecht grunds\u00e4tzlich ein <strong>strengerer Ma\u00dfstab<\/strong> zul\u00e4ssig als in anderen Lebensbereichen. Daher kann dieses Grundrecht im Allgemeinen eine Pauschalabwertung ebenso wenig rechtfertigen wie unwahre Tatsachenbehauptungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 16.12.2014,\u00a04 Ob 209\/14k Sachverhalt: Die Medieninhaberin der Gratis-Tageszeitung &#8222;Heute&#8220; ver\u00f6ffentlichte in der Zeitschrift &#8222;Extradienst&#8220; folgende Anzeige: &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Die Zeitschrift &#8222;Extradienst&#8220; richtet sich als Fachzeitschrift an Werbeagenturen, Werbeabteilungen, Marketingleiter und Media-Planer; die\u00a0Auflage betr\u00e4gt 12.014\u00a0St\u00fcck. Die Medieninhaberin der Tageszeitung &#8222;\u00d6sterreich&#8220; klagte daraufhin und brachte einen Antrag auf Erlassung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[12,4],"tags":[946,1018,990,994,277,1017,396],"class_list":["post-1687","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienrecht","category-uwg-werberecht","tag-10-emrk","tag-2a-uwg","tag-grundrecht-auf-freie-meinungsaeusserung","tag-objektivitaetsgebot","tag-ogh","tag-rl-2006114eg","tag-vergleichende-werbung"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1687","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1687"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1687\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1715,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1687\/revisions\/1715"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1687"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1687"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/media-law.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1687"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}