{"id":1648,"date":"2015-01-23T09:59:10","date_gmt":"2015-01-23T09:59:10","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=1648"},"modified":"2015-01-23T13:29:17","modified_gmt":"2015-01-23T13:29:17","slug":"ermittlungsakt-auf-privater-website-veroeffentlicht-verstoss-gegen-das-datenschutzgesetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=1648","title":{"rendered":"Ermittlungsakt auf privater Website ver\u00f6ffentlicht: Versto\u00df gegen das Datenschutzgesetz"},"content":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 15.12.2014, 6 Ob 6\/14x<\/p>\n<p>Zwei Verd\u00e4chtige in einem von der <strong>Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien<\/strong> gef\u00fchrten <strong>Ermittlungsverfahren<\/strong> klagten die Betreiber einer <strong>private Internetplattform<\/strong>, auf der der <strong>Ermittlungsakt ver\u00f6ffentlicht<\/strong> wurde, auf Unterlassung und beantragten die Erlassung einer einstweiligen Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Der OGH gab dem Begehren Folge und st\u00fctzte sich in seiner Begr\u00fcndung auf das Datenschutzgesetz.\u00a0Bei den ver\u00f6ffentlichten Ermittlungsakten handelt es sich um <strong>strafrechtsbezogene Daten im Sinn des \u00a7\u00a08 Abs\u00a04 DSG\u00a02000<\/strong>, die zwar vom Gesetzgeber nicht als sensible Daten eingestuft werden, dennoch aber einen <strong>besonderen Schutz<\/strong> genie\u00dfen. Daten (auch nur) \u00fcber den <strong>Verdacht der Begehung von Straftaten\u00a0<\/strong>stellen nach dieser Bestimmung eine<strong> eigene Datenkategorie<\/strong> dar, deren Verwendung grunds\u00e4tzlich <strong>schutzw\u00fcrdige Interessen<\/strong> des Betroffenen verletzt. Die Regelungstechnik des \u00a7\u00a08 Abs\u00a04 DSG\u00a02000 entspricht jener bei Verwendung von sensiblen Daten gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a09 DSG\u00a02000, sodass eine Verwendung strafrechtsbezogener Daten nur dann zul\u00e4ssig ist, wenn einer der taxativ aufgez\u00e4hlten Verwendungsf\u00e4lle vorliegt.<\/p>\n<p class=\"ErlText AlignLeft\">Nach \u00a7\u00a08 Abs\u00a04 DSG\u00a02000 verst\u00f6\u00dft eine Verwendung strafrechtsbezogener Daten nur dann nicht gegen schutzw\u00fcrdige Geheimhaltungsinteressen des Betroffenen, wenn<\/p>\n<ul>\n<li class=\"ErlText AlignLeft\">eine ausdr\u00fcckliche gesetzliche Erm\u00e4chtigung oder Verpflichtung zur Verwendung solcher Daten besteht (Z\u00a01),<\/li>\n<li class=\"ErlText AlignLeft\">die Verwendung derartiger Daten f\u00fcr Auftraggeber des \u00f6ffentlichen Bereichs eine wesentliche Voraussetzung zur Wahrnehmung einer ihnen gesetzlich \u00fcbertragenen Aufgabe ist (Z\u00a02),<\/li>\n<li class=\"ErlText AlignLeft\">sich sonst die Zul\u00e4ssigkeit der Verwendung dieser Daten aus gesetzlichen Sorgfaltspflichten oder sonstigen, die schutzw\u00fcrdigen Geheimhaltungsinteressen des Betroffenen \u00fcberwiegenden berechtigten Interessen des Auftraggebers ergibt und die Art und Weise, in der die Datenanwendung vorgenommen wird, die Wahrung der Interessen der Betroffenen nach diesem Bundesgesetz gew\u00e4hrleistet (Z\u00a03) oder<\/li>\n<li class=\"ErlText AlignLeft\">die Datenweitergabe zum Zweck der Erstattung einer Anzeige an eine zur Verfolgung der angezeigten strafbaren Handlungen (Unterlassungen) zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde erfolgt (Z\u00a04).<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"ErlText AlignLeft\">Dar\u00fcber hinaus ist eine Verwendung strafrechtsbezogener Daten gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a08 Abs\u00a04 iVm Abs\u00a02 DSG\u00a02000 zul\u00e4ssig, wenn sie zul\u00e4ssigerweise ver\u00f6ffentlicht wurden oder indirekt personenbezogen sind.<\/p>\n<p class=\"ErlText AlignLeft\">Im vorliegenden Fall wurde ein <strong>\u00fcberwiegendes Interesse des Auftraggebers weder behauptet noch liegt sonst eine der Ausnahmen<\/strong> im Sinn des \u00a7\u00a08 Abs\u00a04 DSG\u00a02000 vor, weshalb s\u00e4mtliche Ermittlungsergebnisse einem <strong>Verwendungsverbot<\/strong> durch die Beklagten unterliegen. Ein <strong>\u00fcberwiegendes Interesse der \u00d6ffentlichkeit<\/strong> wiederum vermag\u00a0&#8211;\u00a0anders als bei nicht-sensiblen Daten im Sinn des \u00a7\u00a08 Abs\u00a01 DSG\u00a02000\u00a0&#8211;\u00a0eine <strong>Verwendung strafrechtsbezogener Daten nicht zu rechtfertigen<\/strong>.<\/p>\n<p class=\"ErlText AlignLeft\">Da die Beklagten auf eine nicht n\u00e4her bekannte Weise in den Besitz einer DVD mit Aktenbestandteilen kam, war die Frage, ob ein Papierakt (hier konkret der Ermittlungsakt der WKStA Wien) den gesetzlichen Anforderungen einer Datei im Sinn des Datenschutzgesetzes\u00a02000 entspricht, nicht zu pr\u00fcfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 15.12.2014, 6 Ob 6\/14x Zwei Verd\u00e4chtige in einem von der Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien gef\u00fchrten Ermittlungsverfahren klagten die Betreiber einer private Internetplattform, auf der der Ermittlungsakt ver\u00f6ffentlicht wurde, auf Unterlassung und beantragten die Erlassung einer einstweiligen Verf\u00fcgung. 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