{"id":1583,"date":"2014-12-19T13:22:14","date_gmt":"2014-12-19T13:22:14","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=1583"},"modified":"2014-12-22T11:46:06","modified_gmt":"2014-12-22T11:46:06","slug":"ogh-zur-irrefuehrungseignung-von-werbung-mit-selbst-errechneten-kennzahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=1583","title":{"rendered":"OGH zur Irref\u00fchrungseignung von Werbung mit selbst errechneten Kennzahlen"},"content":{"rendered":"<p>OGH-Urteil vom 21.10.2014, 4 Ob 129\/14w<\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Die Streitparteien stehen im Wettbewerb auf dem Markt f\u00fcr Gratiszeitungen. Die Beklagte, Medieninhaberin der Gratiszeitung &#8222;Heute&#8220; warb mit einer &#8222;Rekord-Druckauflage&#8220; f\u00fcr das Jahr 2013. Dabei wurden Zahlen f\u00fcr \u00d6sterreich und Wien angegeben. Zum Vergleich wurden Zahlen f\u00fcr die Tageszeitung &#8222;\u00d6sterreich&#8220; angegeben. Demnach w\u00fcrde &#8222;\u00d6sterreich&#8220; mehr Zeitungen drucken, als gelesen werden. Anhand von Tabellen wurde au\u00dferdem dargestellt, dass &#8222;\u00d6sterreich&#8220; insgesamt weniger Leser pro Ausgabe habe, als &#8222;Heute&#8220;.<\/p>\n<p>Die Werbung stellte sich wie folgt dar:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/heute\u00d6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1584\" src=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/heute\u00d6-242x300.jpg\" alt=\"heute\u00d6\" width=\"242\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/heute\u00d6-242x300.jpg 242w, https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/heute\u00d6.jpg 472w\" sizes=\"auto, (max-width: 242px) 100vw, 242px\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/heute\u00d62.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1585\" src=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/heute\u00d62-231x300.jpg\" alt=\"heute\u00d62\" width=\"231\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/heute\u00d62-231x300.jpg 231w, https:\/\/media-law.at\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/heute\u00d62.jpg 472w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin, die Medieninhaberin von &#8222;\u00d6sterreich&#8220;,\u00a0beanstandete<\/p>\n<p>1. die Werbung mit der \u201eRekorddruckauflage\u201c, weil (a) dies nicht in jeder Hinsicht zutreffe und (b) der Eindruck erweckt werde, dass die Druckauflage der ma\u00dfgebende Faktor f\u00fcr den Erfolg einer Zeitung sei;<span class=\"Standardtabulator\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Standardtabulator\">2.\u00a0<\/span>die Werbung mit Lesern pro Exemplar, wenn die Berechnung aufgrund von Daten aus verschiedenen Zeitr\u00e4umen erfolge;<\/p>\n<p>3. die (sinngem\u00e4\u00dfe) Behauptung, dass es bei der Zeitung der Beklagten keine Restauflage gebe;<\/p>\n<p>4. die Werbung mit Daten der Media-Analyse ohne Hinweis auf die Schwankungsbreiten.<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4gerin\u00a0erhob\u00a0insofern Unterlassungsbegehren und beantragt eine einstweilige Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p><script src=\"\/res\/Remotion.Web\/Html\/ExecutionEngine.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script>Das Erstgericht wies das\u00a0Unterlassungsbegehren zur G\u00e4nze ab. Das Rekursgericht\u00a0erlie\u00df eine einstweilige Verf\u00fcgung zu den Punkten 1(a) und (4) des Sicherungsantrags und best\u00e4tigte die Abweisung zu den Punkten 1(b), (2) und (3).<\/p>\n<p>Der OGH erkl\u00e4rte den Revisionsrekurs der Kl\u00e4gerin f\u00fcr zul\u00e4ssig, weil die <strong>Irref\u00fchrungseignung einer Werbung mit selbst errechneten Kennzahlen<\/strong> einer Klarstellung bedarf. Hinsichtlich Punkt 2 des Unterlassungsbegehrens wurde schlie\u00dflich ebenfalls eine einstweilige Verf\u00fcgung erlassen. Aus der Begr\u00fcndung:<\/p>\n<p><script src=\"\/res\/Remotion.Web\/Html\/ExecutionEngine.js\" type=\"text\/javascript\"><\/script>Beim Irref\u00fchrungstatbestand ist zu pr\u00fcfen, (a) wie ein durchschnittlich informierter und verst\u00e4ndiger Interessent f\u00fcr das Produkt, der eine dem Erwerb solcher Produkte angemessene Aufmerksamkeit aufwendet, die strittige Ank\u00fcndigung versteht, (b) ob dieses Verst\u00e4ndnis den Tatsachen entspricht, und ob (c) eine nach diesem Kriterium unrichtige Angabe geeignet ist, den Interessenten zu einer gesch\u00e4ftlichen Entscheidung zu veranlassen, die er sonst nicht getroffen h\u00e4tte.\u00a0Die Werbung mit den Leser-pro-Exemplar-Werten erf\u00fcllt diesen Tatbestand.<\/p>\n<p>Wird mit Kennzahlen f\u00fcr den Werbewert einer Zeitung geworben, <strong>nimmt der Adressat der Werbung an<\/strong>, dass diese <strong>Zahlen entweder von einer unabh\u00e4ngigen Institution<\/strong> (insbesondere der \u00d6AK oder der Media-Analyse) ver\u00f6ffentlicht oder aber vom Werbenden aufgrund <strong>unstrittiger Grundlagen methodisch korrekt ermittelt<\/strong> wurden. Ersteres trifft hier nicht zu, weil weder die \u00d6AK noch die Media-Analyse Leser-pro-Exemplar-Werte ver\u00f6ffentlicht hatte. Diese wurden vielmehr von der Beklagten errechnet, wobei die angewendete Methode (Leser pro Ausgabe [LpA; Wert der Media-Analyse] dividiert durch verbreitete Auflage [Wert der \u00d6AK]) an sich schl\u00fcssig ist.<\/p>\n<p>Dass die Beklagte die Berechnungsmethode in einem aufkl\u00e4renden Hinweis falsch darstellte (\u201everbreitete Auflage \/ LpA\u201c), schadet nicht, weil nicht zu erwarten ist, dass ein relevanter Teil der Adressaten der Werbung den Widerspruch zwischen dieser Aussage und der unmittelbar davor stehenden (richtigen) Definition (\u201eWie viele Menschen ein Exemplar einer Zeitung lesen\u201c) erkannte.<\/p>\n<p>Wohl aber werden die <strong>Adressaten der Werbung annehmen, dass der von der Beklagten ermittelte Wert auf Daten beruht, die jeweils f\u00fcr denselben Zeitraum erhoben<\/strong> wurden. Denn nur dann spiegelt die Berechnung tats\u00e4chliche Verh\u00e4ltnisse wider, die in einem bestimmten Zeitraum bestanden hatten. Bei <strong>nicht \u00fcbereinstimmenden Erhebungszeitr\u00e4umen<\/strong> f\u00fchrt die Berechnung demgegen\u00fcber zu einem <strong>rein fiktiven Wert<\/strong>, dessen \u00dcbereinstimmung mit realen Verh\u00e4ltnissen zuf\u00e4llig w\u00e4re. Ein solcher Fall liegt hier vor. Zwar zog die Beklagte f\u00fcr die Berechnung um die jeweils aktuellsten Daten von \u00d6AK und Media-Analyse heran. Diese Daten betrafen jedoch unterschiedliche Zeitr\u00e4ume, weswegen sich daraus <strong>keine aussagekr\u00e4ftigen Werte<\/strong> ermitteln lie\u00dfen. Damit wurden die Adressaten der Werbung <strong>in relevanter Weise \u00fcber die Aussagekraft der strittigen Kennzahl in die Irre gef\u00fchrt<\/strong>. Der klein gedruckte aufkl\u00e4rende Hinweis zu den Grundlagen der Berechnung legt nicht deutlich genug dar, dass die angegebenen <strong>Werte letztlich fiktiv<\/strong> sind.<\/p>\n<p>Die\u00a0Beurteilung des Rekursgerichts zu Punkt\u00a01(b) des Sicherungsantrags wurde jedoch vom OGH best\u00e4tigt, da\u00a0die Beklagte in der Werbung ohnehin ausgef\u00fchrt hat, dass f\u00fcr erfolgreiche Werbung nicht z\u00e4hle, wie viele Zeitungen ein Verlag drucke, \u201esondern einzig (!), wie viele Zeitungen gelesen werden\u201c. Damit hat sie die Druckauflage nicht als allein ma\u00dfgebendes Kriterium f\u00fcr den Erfolg ihrer Zeitung herausgestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Urteil vom 21.10.2014, 4 Ob 129\/14w Sachverhalt: Die Streitparteien stehen im Wettbewerb auf dem Markt f\u00fcr Gratiszeitungen. Die Beklagte, Medieninhaberin der Gratiszeitung &#8222;Heute&#8220; warb mit einer &#8222;Rekord-Druckauflage&#8220; f\u00fcr das Jahr 2013. 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