{"id":1101,"date":"2014-04-07T14:45:04","date_gmt":"2014-04-07T14:45:04","guid":{"rendered":"http:\/\/media-law.at\/?p=1101"},"modified":"2014-04-14T16:17:24","modified_gmt":"2014-04-14T16:17:24","slug":"wandlung-eines-kfz-kaufvertrag-bei-fortgesetzter-intensiver-verwendung-benuetzungentgelt-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/media-law.at\/?p=1101","title":{"rendered":"Wandlung eines Kfz-Kaufvertrag: Bei fortgesetzter (intensiver) Verwendung Ben\u00fctzungentgelt m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 27.2.2014, 8\u00a0<span style=\"line-height: 1.5em;\">Ob 74\/13k<\/span><\/p>\n<p><strong>Sachverhalt:<\/strong><\/p>\n<p>Der Kl\u00e4ger kaufte\u00a0<span style=\"line-height: 1.5em;\">ein Fahrzeug (Pickup)\u00a0<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">bei der Beklagten zu einem Gesamtpreis von EUR 27.740,-. Aufgrund einer Reihe von M\u00e4ngeln begehrte der K\u00e4ufer die Wandlung des Kaufvertrags. Zu diesem Zeitpunkt wies das Fahrzeug einen Kilometerstand von 43.000 auf. Der Kl\u00e4ger ben\u00fctzte das Fahrzeug auch w\u00e4hrend des Verfahrens weiter. Bei Schluss der Verhandlung erster Instanz betrug der Kilometerstand bereits 141.500.<\/span><\/p>\n<p>Die Beklagte wandte angesichts der hohen Laufleistung des Fahrzeugs einen Anspruch auf <strong>Ben\u00fctzungsentgelt<\/strong> aufrechnungsweise ein.<\/p>\n<p><strong>Entscheidung:<\/strong><\/p>\n<p>Erst- und Berufungsgericht gaben dem Wandlungsbegehren Folge, stellten jedoch auch fest, dass eine Gegenforderung der Beklagten zu Recht bestehe (lt. Berufungsgericht EUR 12.662,05).\u00a0Der Kl\u00e4ger m\u00fcsse sich im Rahmen des Vorteilsausgleichs ein angemessenes <strong>Ben\u00fctzungsentgelt f\u00fcr die Dauer der tats\u00e4chlichen Fahrzeugnutzung<\/strong> anrechnen lassen, weil er sich dadurch den Aufwand f\u00fcr ein Ersatzfahrzeug erspart habe. Der gew\u00f6hnliche Gebrauch der Sache stelle einen dem K\u00e4ufer tats\u00e4chlich zugekommenen Vorteil dar, dessen Ausgleich f\u00fcr die gesamte tats\u00e4chliche Nutzungsdauer angemessen ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Das Berufungsgericht erkl\u00e4rte die ordentliche Revision f\u00fcr zul\u00e4ssig, weil die Frage, ob der Verk\u00e4ufer im Fall der Wandlung des Kaufvertrags gegen den K\u00e4ufer einen Anspruch auf angemessenes Ben\u00fctzungsentgelt <strong>nur bis zur Wandlungserkl\u00e4rung oder bis zur sp\u00e4teren R\u00fcckstellung<\/strong> habe, in der h\u00f6chstgerichtlichen Rechtsprechung noch nicht eindeutig entschieden sei.<\/p>\n<p>Der OGH lies die Revision des Kl\u00e4gers (der den vollen Kaufpreis zur\u00fcck und kein Ben\u00fctzungsentgelt bezahlen wollte) auch zu, jedoch war sie nicht berechtigt. Aus der Begr\u00fcndung:<\/p>\n<p>Laut stRsp des OGH ist bei berechtigten Wandlungsbegehren\u00a0<span style=\"line-height: 1.5em;\">nach \u00a7\u00a0932 Abs\u00a04 ABGB nur jener Wertverlust zu ber\u00fccksichtigen\u00a0<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">der bis zu dem Zeitpunkt entstanden ist, zu dem der Kl\u00e4ger Wandlung begehrt hat.\u00a0<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">Der OGH stimmte jedoch der Ansicht des Berufungsgerichts zu, dass zwischen dem Wertverlust der Sache (Auto) und dem <strong>Nutzen<\/strong>, den er sich durch die <strong>fortgesetzte Verwendung der mangelhaften Sache<\/strong> verschafft hat, zu unterscheiden ist.\u00a0Der Kl\u00e4ger h\u00e4tte das nicht mehr gewollte Fahrzeug abmelden, ein Ersatzfahrzeug anschaffen und den allf\u00e4lligen <strong>Mehraufwand als Mangelfolgeschaden<\/strong> geltend machen k\u00f6nnen. Durch seinen Entschluss, das bem\u00e4ngelte <\/span><strong style=\"line-height: 1.5em;\">Fahrzeug weiterhin zu nutzen<\/strong><span style=\"line-height: 1.5em;\">, hat er sich <\/span><strong style=\"line-height: 1.5em;\">anderweitige Aufwendungen erspart<\/strong><span style=\"line-height: 1.5em;\">; dieser Nutzen ist\u00a0&#8211;\u00a0im Gegensatz zum Wertverlust oder einer blo\u00df theoretischen Gebrauchsm\u00f6glichkeit\u00a0&#8211;\u00a0gerade keine zwangsl\u00e4ufige Folge einer verz\u00f6gerten Erf\u00fcllung des Wandlungsbegehrens, sondern einer Entscheidung des K\u00e4ufers. Dem Kl\u00e4ger ist es\u00a0<\/span>schlussendlich<span style=\"line-height: 1.5em;\">\u00a0nicht gelungen zu begr\u00fcnden, weshalb er <\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">das Fahrzeuges\u00a0<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">nach intensiver Nutzung<\/span><span style=\"line-height: 1.5em;\">\u00a0(und nahe am Ende der \u00fcblichen Verwendungsdauer) zur\u00fcckzugeben und dennoch den weit \u00fcberwiegenden Teil des Kaufpreises zur\u00fcckzuerhalten soll.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OGH-Entscheidung vom 27.2.2014, 8\u00a0Ob 74\/13k Sachverhalt: Der Kl\u00e4ger kaufte\u00a0ein Fahrzeug (Pickup)\u00a0bei der Beklagten zu einem Gesamtpreis von EUR 27.740,-. Aufgrund einer Reihe von M\u00e4ngeln begehrte der K\u00e4ufer die Wandlung des Kaufvertrags. Zu diesem Zeitpunkt wies das Fahrzeug einen Kilometerstand von 43.000 auf. Der Kl\u00e4ger ben\u00fctzte das Fahrzeug auch w\u00e4hrend des Verfahrens weiter. 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